Terror-Anschlag

Nach Geiselnahme in Hotel fahndet Mali nach weiteren Tätern

Für das blutige Geiseldrama in Malis Hauptstadt Bamako macht Frankreichs Regierung einen totgeglaubten Extremisten verantwortlich.

Einsatzkräfte transportieren die Leiche eines Opfers ab: Bei einer Geiselnahme im Hotel Radisson Blu in Malis Hauptstadt Bamako sind nach offiziellen Angaben 21 Menschen ums Leben gekommen.

Einsatzkräfte transportieren die Leiche eines Opfers ab: Bei einer Geiselnahme im Hotel Radisson Blu in Malis Hauptstadt Bamako sind nach offiziellen Angaben 21 Menschen ums Leben gekommen.

Foto: JOE PENNEY / REUTERS

Bamako.  Nach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf ein Luxushotel im westafrikanischen Mali fahndet die Regierung nach Komplizen. Man nehme an, dass die beiden Terroristen, die bei dem Anschlag am Freitag ums Leben kamen, nicht allein gehandelt hätten, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Innere Sicherheit am Samstag. Der Einsatz der Spezialkräfte in dem bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebten Hotel Radisson Blu in der Hauptstadt Bamako sei abgeschlossen. Das Gelände um das Hotel bleibe aber abgesperrt, während das Justizministerium versuche, die Leichen zu identifizieren, hieß es.

Die Regierung des Landes hat den Ausnahmezustand verhängt. Er gilt von Freitag an zehn Tage lang für das gesamte Staatsgebiet, wie die malische Präsidentschaft in der Nacht zum Samstag mitteilte. Am Montag soll zudem eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen werden.

Bei der Geiselnahme seien 21 Menschen – einschließlich der beiden Angreifer – getötet worden, bestätigte Präsident Ibrahim Boubacar Keïta am Samstag im nationalen Fernsehen. Am Tag zuvor war die genaue Zahl der Opfer unklar geblieben. Bei der mehrstündigen Geiselnahme kamen auch zahlreiche Ausländer ums Leben.

Vier deutsche Hotel-Gäste konnten vor Geiselnehmern fliehen

Der malische Minister für Innere Sicherheit, Salif Traoré, sagte, die Angreifer seien am Morgen in die Lobby gestürmt, hätten um sich geschossen und „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen. Danach hätten sie das Hotel Zimmer für Zimmer durchkämmt. Offenbar gelang etlichen Geiseln die Flucht, so auch nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vier Deutschen. Dem malischen Rundfunk zufolge ließen die Angreifer einige Geiseln frei, weil sie Verse aus dem Koran zitieren konnten.

Laut dem Hotelbetreiber Rezidor befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 170 Menschen in dem Gebäude, das später von malischen Sicherheitskräften und ausländischen Spezialeinheiten gestürmt wurde.

Russen, Chinesen, Belgier und US-Bürger unter den Opfern

Nach Angaben des Moskauer Außenministeriums wurden sechs Russen getötet. Die Opfer seien Mitarbeiter der Frachtfluglinie Wolga-Dnjepr gewesen, teilte die Gebietsverwaltung von Uljanowsk an der Wolga mit. Dort hat die Fluglinie ihren Sitz. Sechs andere Russen seien aus der Hand der Terroristen befreit worden.

Im Zuge der mehrstündigen Geiselnahme seien auch drei Chinesen ums Leben gekommen, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Botschaft der Volksrepublik in Mali. Der belgische Außenminister Didier Reynders teilte über Twitter mit, dass unter den Toten auch zwei Belgier seien. Auch türkische, indische und französische Staatsbürger hielten sich in dem Hotel auf.

Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte zudem den Tod eines US-Bürgers. Präsident Barack Obama sagte am Samstag am Rande eines Besuchs in Malaysia, der Angriff werde die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nur noch entschlossener gegen Extremisten vorgehen lassen. „Die USA werden unnachgiebig sein.“

Mit Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamisten bekennen sich zu Anschlag

Zu dem Anschlag bekannten sich Berichten zufolge zwei mit dem Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamistengruppen. Frankreichs Regierung vermutet den Al-Kaida-Veteranen Mokhtar Belmokhtar hinter dem Terrorangriff, der bereits vor Monaten von der libyschen Regierung für tot erklärt worden war und als Anführer des Terrornetzwerks im nördlichen Afrika gilt. Hinweise auf eine Beteiligung der Miliz Islamischer Staat (IS), die sich zu den Anschlägen von Paris bekannt hat, gab es US-Regierungskreisen zufolge nicht.

Der Anschlag dürfte die Debatte über das Engagement der Bundeswehr in Mali zusätzlich anheizen. Aktuell sind rund 200 deutsche Soldaten als Teil einer EU-Mission an der Ausbildung der malischen Streitkräfte beteiligt. Die Bundesregierung erwägt, den Einsatz auf den unruhigen Norden auszuweiten.

Gabriel sichert Frankreich Unterstützung in Mali zu

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat Frankreich die Unterstützung der Bundesregierung beim militärischen Einsatz in Mali zugesagt. „Natürlich werden wir Frankreich helfen“, sagte Gabriel nach einer Begegnung mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande am Samstag in Paris. Wenn die Franzosen Entlastung in Mali wollten, „dann werden wir sie natürlich auch dabei unterstützen, sagte er der ARD. Bislang gebe es noch keine konkreten Anforderungen. Er erwarte aber, das die französische Regierung dies in den nächsten Tagen konkretisieren werde.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte eine Ausweitung des militärischen Engagements in Mali angekündigt. Bei seinem Besuch in Sambia hatte er am Freitag gesagt: „Wir schauen gemeinsam mit unseren Partnern, wie und wo das am wirkungsvollsten geschehen kann.“

Linksfraktion gegen Entsendung von Kampftruppen

Der Obmann der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Stefan Liebich, lehnt die Entsendung von Kampftruppen ab. „Wir sind dagegen, dass die Bundesregierung Hunderte Soldaten zu einem Kampfeinsatz in den Norden Malis schickt“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Agnieszka Brugger, sagte dem Blatt, der Auftrag der ausländischen Truppen in Mali sei „aus gutem Grund die unparteiliche Überwachung des Waffenstillstandsabkommens und nicht die Bekämpfung von Terroristen“.

Islamistische Kämpfer hatten den Norden Malis Anfang 2012 erobert, wurden aber ein Jahr später von der französischen Armee zurückgedrängt. Eine UN-Blauhelmtruppe wurde aufgestellt. Dennoch kam es immer wieder zu Zusammenstößen. Frankreich ist mit 3500 Soldaten im Norden Malis präsent. (rtr/dpa)