Berlin –

Nur jeder Dritte macht einen HIV-Test

Aids-Umfrage zeigt sorglosen Umgang mit Ansteckungsgefahr – Gesundheitsminister mahnt zu Aufklärung

Berlin. Vielleicht hat Charlie Sheen nichts gesagt. Vielleicht haben seine Partnerinnen aber auch nicht gefragt. Jedenfalls gibt es nun eine Reihe von Frauen, die den US-Schauspieler verklagen wollen, weil er mit ihnen angeblich ungeschützten Sex gehabt haben soll, ohne sie über ein wichtiges Detail zu informieren: dass er das HI-Virus in sich trägt – jenes Virus also, das die Krankheit Aids auslösen kann.

Sheen mag mit seinem exzessiven Drogenkonsum und einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Sexpartnerinnen ein extremer Fall sein. Er dokumentiert aber doch einen offenbar laxen Umgang mit einer noch immer potenziell tödlichen Erkrankung. Auch in Deutschland kümmern sich viele Menschen nicht um die mögliche HIV-Infektionen ihrer Partner, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts INSA im Auftrag des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV).

Jedes Jahr stecken sich mehr als 3000 Menschen neu an

Danach hat gerade einmal jeder dritte der mehr als 2000 befragten Männer und Frauen einen HIV-Test machen lassen. Umgekehrt bedeutet das: Zwei von drei Befragten haben bisher auf diese Überprüfung verzichtet. Die Bereitschaft, sich auf das Virus testen zu lassen, ist je nach Alter unterschiedlich hoch. In der Gruppe zwischen Mitte 30 und Anfang 40 entschied sich fast jeder Zweite für einen Test (44 Prozent). Demgegenüber waren die Älteren jenseits der 55 Jahre eher zurückhaltend: Nur jeder Vierte hat sich auf das HI-Virus untersuchen lassen.

PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach betrachtet das Ergebnis mit gemischten Gefühlen. „Die Aids-Prävention in Deutschland ist erwiesenermaßen sehr erfolgreich“, sagte er der Berliner Morgenpost, „doch zugleich zeigt sich eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit dem Infektionsrisiko.“ Aids bleibe nach wie vor „eine unheilbare Krankheit, die trotz aller medizinischen Fortschritte sehr großes Leid bedeutet.“ Auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verweist auf die großen Fortschritte im Kampf gegen das Virus und gegen die Krankheit Aids. Erfolgreiche Prävention und eine hochwertige Behandlung hätten dazu geführt, dass sich in Deutschland im internationalen Vergleich sehr wenige Menschen neu mit dem HI-Virus ansteckten, sagte er der Morgenpost.

„Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch, dass unsere Anstrengungen nicht nachlassen dürfen. Es geht darum, durch Information und Aufklärung weiter daran zu arbeiten, die Neuinfektionsrate zu senken“, mahnte Gröhe. Dazu gehöre, dass man Ängste und Unsicherheiten beim Thema Aids ernst nehme, Vorurteilen entgegentrete und weiter über die Krankheit informiere.

Noch immer stecken sich jedes Jahr mehr als 3000 Menschen in Deutschland neu mit dem HI-Virus an. Diese Zahl, die vom Robert Koch-Institut regelmäßig geschätzt wird, ist seit Jahren relativ konstant. Vor 15 Jahren war sie schon einmal deutlich geringer und lag bei unter 2000 Neuinfektionen.

Insgesamt leben derzeit 83.400 Menschen in Deutschland, die sich mit dem HI-Virus infiziert haben oder bei denen Aids diagnostiziert wurde. Die Experten des Robert Koch-Instituts schätzen, dass 13.200 Menschen noch nichts von ihrer Infektion wissen.

Die Umfrage der PKV zeigt, dass sich beim Sex nicht jeder des Risikos bewusst ist: Auf die Frage, ob er oder sie schon einmal ungeschützten Sex mit einer Zufallsbekanntschaft gehabt habe, antwortete jeder zweite der in Hamburg Befragten mit „Ja“. In Thüringen stimmten immerhin 36 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. In Berlin war es exakt jeder Dritte und in NRW nur fast jeder Vierte (28 Prozent).

Auch wenn dieser Teil der Umfrage aufgrund der geringen Zahl an Personen, die in den einzelnen Regionen befragt wurden, nur begrenzte Aussagekraft hat, so zeigen sich doch Trends: Jeweils etwa die Hälfte der Befragten bestand in einer neuen Partnerschaft auf geschützten Geschlechtsverkehr. Und nur jeder Vierte wollte einen negativen HIV-Test sehen, bevor er auf das Kondom beim Sex verzichtete. Schon einmal Angst vor einer HIV-Infektion hatte bisher nur jeder Fünfte.