Anschläge

Was wir über den Terror in Paris wissen - und was nicht

Mit Abdelhamid Abaaoud ist der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Terroranschläge getötet worden. Dennoch bleiben noch offene Fragen.

Die Sicherheitsbehörden in Frankreich sehen sich auch noch eine knappe Woche nach den Terroranschlägen von Paris vielen offenen Fragen gegenüber.

Die Sicherheitsbehörden in Frankreich sehen sich auch noch eine knappe Woche nach den Terroranschlägen von Paris vielen offenen Fragen gegenüber.

Foto: Christophe Petit Tesson / dpa

Paris/Berlin.  Die Terrorangst bleibt: Obwohl die Ermittler knapp eine Woche nach den Attentaten in Paris Fortschritte machen, sind viele Fragen noch offen.

WAS WIR WISSEN

Der mutmaßliche Organisator der Attentate, Abdelhamid Abaaoud, ist tot. Der 28-Jährige wurde bei einem massiven Polizeieinsatz im Pariser Vorort Saint-Denis am Mittwoch getötet, seine Leiche eindeutig identifiziert. Abaaoud, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, lebte früher in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek.

• Die Anschläge am 13. November wurden von drei Terrorkommandos verübt. Sie schlugen an sechs Orten in Paris und in Saint-Denis koordiniert zu, schossen wahllos auf Menschen und sprengten sich selbst in die Luft. Die Angreifer benutzten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und trugen identische Sprengstoffwesten.

• Die meisten Opfer gab es beim Überfall auf die Konzerthalle „Bataclan“. Mehrere Cafés und Restaurants in der Nähe wurden beschossen. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich vor dem Fußballstadion Stade de France in die Luft, wo die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Die Terroristen wollten auch im Stadion ein Massaker anrichten, gelangten aber nicht hinein.

Mindestens 129 Menschen wurden getötet, 352 weitere teils lebensgefährlich verletzt. Unter den Todesopfern sind zwei Deutsche: ein 28-Jähriger aus Oberbayern, der in Paris lebte, und ein 51-jähriger Niedersachse, der mit seiner Familie seit Jahren bei Dijon in Frankreich lebte. Alle 129 Todesopfer sind identifiziert.

Sieben Attentäter starben. Vier von ihnen wurden identifiziert, allesamt Franzosen: Omar Ismaïl Mostefaï (29) und Samy Amimour (28), die zu den Geiselnehmern im „Bataclan“ zählten, Brahim Abdeslam (31), der sich vor einem Lokal in die Luft sprengte, sowie Bilal Hadfi (20), der sich vor dem Stade de France in die Luft sprengte. In der Nähe eines weiteren Selbstmordattentäters vor dem Stadion fand sich ein syrischer Pass auf den Namen Ahmed al-Mohammed (25) - allerdings gibt es Zweifel, dass dies die echte Identität des Terroristen ist.

• Mindestens ein Terrorverdächtiger ist auf der Flucht. Der 26-jährige Salah Abdeslam, ein Bruder eines der Selbstmordattentäter, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Nach dem Anschlag geriet er nahe der belgischen Grenze in einem grauen VW Golf mit zwei Mitreisenden in eine Kontrolle, durfte aber weiterfahren.

• Mohamed Abdeslam, ein weiterer Bruder des Flüchtigen, wurde nach zwei Tagen in Polizeigewahrsam freigelassen. Er hat für den Abend der Pariser Anschläge ein Alibi.

Möglicherweise gelang noch mehr Angreifern die Flucht. Ermittler stellten östlich von Paris einen schwarzen Seat sicher, aus dem heraus die Attentäter die Cafés und Restaurants beschossen hatten. In dem Auto fanden die Ermittler drei Kalaschnikows.

• Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich in einer nicht verifizierten Erklärung im Internet zu den Anschlägen. Auch Frankreich macht den IS für die Taten verantwortlich.

• Unter dem nach der Mordserie ausgerufenen Ausnahmezustand gab es in Frankreich bis Mittwoch (aktuellste Daten) 414 Hausdurchsuchungen. 64 Menschen wurden vorläufig festgenommen, 60 kamen in Polizeigewahrsam. 118 Menschen wurden unter Hausarrest gestellt.

• Die Polizei nahm im belgischen Molenbeek am Wochenende sieben Verdächtige fest. Zwei von ihnen sind die Männer, mit denen Salah Abdeslam im Auto unterwegs war: die Belgier Mohammed Amri (27) und Hamza Attouh (21). Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen.

• Bei dem Polizeieinsatz in Saint-Denis am Mittwoch nahmen Spezialkräfte acht Menschen fest. Neben Abaaoud starb ein weiterer Terrorist - womöglich eine Frau, die sich in die Luft sprengte.

• Am Donnerstag hat die Polizei in Belgien nach Antiterror-Razzien neun weitere Verdächtige zu Verhören mitgenommen. Durchsucht wurden Häuser von Freunden und Angehörigen des Attentäters Bilal Hadfi.

WAS WIR NICHT WISSEN

• Es ist unklar, ob unter den Verletzten weitere Deutsche sind.

• Offen ist, wie viele Terroristen und Komplizen es insgesamt gab - und damit auch, wie viele Täter noch auf freiem Fuß sind. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass bei den Anschlägen selbst drei Kommandos mit je drei Terroristen zur Tat schritten.

• Zwei der getöteten Attentäter sind noch überhaupt nicht identifiziert. Woher kamen sie? In welcher Verbindung standen die Terroristen zueinander, wie organisierten sie sich?

• Fragen wirft auch der syrische Pass auf, der bei dem als Ahmed al-Mohammed benannten Attentäter gefunden wurde. Es gibt Informationen, wonach der Pass einem vor Monaten in Syrien getöteten Mann gehört haben könnte. Die Fingerabdrücke des toten Terroristen stimmen aber mit denen eines in Griechenland mit diesem Pass als Flüchtling registrierten Mannes überein.

• Die Identität des zweiten Toten beim Polizeieinsatz in Saint-Denis ist noch offen. Medienberichten zufolge, nach denen es sich um die Cousine von Abaaoud handelt, wurden zunächst nicht bestätigt.

• Die Ermittlungen haben ans Licht gebracht, dass der Flüchtige Salah Abdeslam vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war. Was wollte er dort? Die Rede ist von zwei Begleitern - wer waren sie?

• Rätsel gibt weiter ein Mann aus Montenegro auf, der vor zwei Wochen von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

• Unklar ist auch die Rolle eines im Sauerland festgenommenen Algeriers. Er soll Mitbewohnern in einer Flüchtlingsunterkunft gesagt haben, dass in Paris etwas passieren werde. Er sitzt in U-Haft, derzeit werden seine Aufenthaltsorte rekonstruiert. (dpa)

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