Terrormiliz

Warum der IS immer öfter als Daesh bezeichnet wird

IS, ISIS, ISIL, Daesh – die Bezeichnung für die Terrorgruppe variiert. Woher stammen die Begriffe und was bedeuten sie? Ein Überblick.

Abdelhamid Abaaoud mit einem Buch und der Flagge der Terrormiliz IS

Abdelhamid Abaaoud mit einem Buch und der Flagge der Terrormiliz IS

Foto: Dabiq / dpa

Berlin.  In der Verurteilung der Terroranschläge ist sich der Westen einig, nicht aber im Namen der Dschihadisten-Miliz. Während man beispielsweise in Deutschland vom Islamischen Staat, kurz „IS“, spricht, ist etwa in den USA oder in Italien das Kürzel „ISIS“ die gängige Bezeichnung. Ganz anders in Frankreich: Dort spricht man von „Daesh“, wenn die Terroristen gemeint sind.


• ISIS: Im März 2013 kommt es zum offenen Bruch innerhalb der irakischen Terroristenmiliz Nusra-Front, einem Ableger des Terrornetzwerks Al Kaida. Eine abtrünnige Gruppe nennt sich nunmehr ISIS, „Islamischer Staat in Irak und Syrien“. Dies ist auch der Begriff, unter dem die Terroristen zunächst in westlichen Medien auftauchen. Seltener findet man das Kürzel ISIL, das für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ steht. „Levante“ bezeichnet das historische Syrien, das in etwa dem heutigen Staatsgebiet Syriens sowie dem Libanon, Israel, den Palästinensergebieten und Jordanien entspricht.

• IS: Die neue Gruppierung breitet sich 2013 vor allem im Norden Syriens schnell aus und geht brutal gegen Widersacher vor. Al Kaida wird die Macht des ISIS bald zu groß und bricht im Frühjahr 2014 mit seinem Ableger. Am 29. Juni ruft ISIS ein Kalifat aus und nennt sich fortan IS – „Islamischer Staat“. Viele westliche Länder benutzen seitdem dieses Kürzel, andere bleiben bei ISIS.

• Daesh: Der Begriff ist vor allem in Frankreich gebräuchlich und hat eine stark abwertende Bedeutung. Er wird etwa von Staatspräsident François Hollande stets in seinen Reden benutzt. Daesh ist die Abkürzung der arabischen Entsprechung von „Der Islamische Staat im Irak und der Levante“ – gesprochen „Al-Daula al-Islamija fil-Irak wal-Scham“. Aus den ersten Buchstaben ergibt sich das Wort Daesh oder, weil es im Arabischen keinen Unterschied zwischen „e“ und „i“ gibt, Daish.

Der IS selbst lehnt die Bezeichnung Daesh ab. Ein Grund dafür dürfte die sprachliche Nähe zu einem anderen arabischen Wort sein, das fast identisch klingt: Dais. Das Wort bezeichnet jemanden, der andere erdrückt oder zertritt. Womöglich ist das wiederum der Grund dafür, dass auch US-Präsident Barack Obama dem französischen Präsidenten folgt und inzwischen gelegentlich von Daesh spricht, etwa beim G20-Anti-Terror-Gipfel am vorigen Wochenende in der Türkei. Auch Obamas Außenminister John Kerry sprach kürzlich vom Daesh. „Daesh könnte das neue ISIS sein“, mutmaßt bereits die Zeitung „New York Daily News“. (W.B./dpa)

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