Hinweis auf Sprengsatz

Terrorgefahr: Länderspiel Deutschland - Niederlande abgesagt

Das Spiel Deutschland gegen Niederlande in Hannover wurde abgesagt. Es gibt Hinweise auf einen Sprengstoff-Anschlag von Islamisten.

Das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande ist wegen eines drohenden Sprengstoffattentats von Islamisten kurz vor Spielbeginn abgesagt worden. Es habe entsprechende Hinweise auf einen Anschlag gegeben, der von islamistischen Gefährdern geplant gewesen sei, hieß es am Dienstagabend aus Sicherheitkreisen. Demnach sollte ein Sprengsatz im Stadion gezündet werden.

Die Absage der Partie kam gegen 19.15 Uhr - etwa 15 Minuten nach Öffnung der Stadioneingänge. Die Arena wurde daraufhin umgehend evakuiert.

Zunächst hatte die Polizei in Hannover keine weiteren Gründe genannt. "Das Spiel ist abgesagt. Die Zuschauer werden gerade gebeten, das Stadion zügig, aber ohne Panik zu verlassen", sagte eine Polizeisprecherin. Die Menschen wurden langsam aus dem Inneraum geführt, es habe keine Panik gegeben, sagte ein Augenzeuge. Angela Merkel und Mitglieder des Kabinetts wollten beim Spiel anwesend sein, nach der Absage kehrte die Bundeskanzlerin bereits auf dem Flughafen Hannover um und flog zurück nach Berlin.

Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe sagte später: „Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte." Der NDR zitierte Kluwe, der von einer "konkreten Gefahrenlage für ganz Hannover" sprach. Es habe "ernsthafte Planungen" gegeben, so Kluwe, "etwas zur Explosion zu bringen". „Der entscheidende Hinweis hat uns circa 15 Minuten nach Öffnung der Tore erreicht.“. Einem Bericht von "Spiegel online" zufolge soll am Stadion ein islamistischer Gefährder gesehen worden sein, der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius habe daraufhin die Notbremse gezogen.

Die Syker Kreiszeitung berichtete, dass vor dem Stadion ein Rettungswagen entdeckt worden sei, in dem sich Sprengstoff befunden habe. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bisher nicht.

Pressekonferenz mit de Maiziere - "Konkrete Hinweise auf Attentat"

In einer eilig zusammen gerufenen Pressekonferenz erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Abend, dass sich die Hinweise kurzfristig so sehr verdichtet hätten, dass man sich zur Absage des Spiel entschlossen habe. Bei der konkreten Einschätzung der Gefahr blieb er allerdings wage. Er könne die Quelle der Informationen und das Ausmaß der Gefährdung nicht näher benennen, da die nationale Sicherheit des Landes Priorität habe. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sollen aber ausländische Geheimdienste die entscheidenden Informationen geliefert haben.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sagte, dass er den Fund von Sprengstoff in einem Rettungswagen oder an einem anderen Ort bisher nicht bisher bestätigen könne. Auch wurde niemand festgenommen.

Nach Angaben von Pistorius sind alle deutschen Spieler in Sicherheit. Die meisten seien mit dem Auto nach Hause gefahren. Nur Bayern Münchens Spieler seien geflogen. Auch die komplette niederländische Nationalmannschaft ist demnach in Sicherheit.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war zum Zeitpunkt der Absage des Länderspiels gegen die Niederlande noch nicht im Stadion. Die Mannschaft war zwar losgefahren, der Bus drehte dann aber um und begab sich an einen "sicheren Ort", wie es hieß. Der Deutsche Fußball-Bund machte zunächst keine Angaben, wo das Team hingebracht wurde.

Verdächtige Person in IC-Zug beobachtet

Nach Angaben der Bundespolizei in Hannover gab es am Abend Hinweise auf eine verdächtige Person am Hauptbahnhof, die dabei beobachtet wurde, wie sie einen Gegenstand in einem IC-Zug deponiert haben soll. Das berichtet der Sender NDR. Als Mitreisende die Person darauf ansprachen, soll sie aus dem Zug geflüchtet sein und den Bahnhof verlassen haben. Bei dem Gegenstand soll es sich um eine Attrappe eines Sprengsatzes handeln, wie Experten auf einem Röntgenbild feststellten.

Maceo-Parker-Konzert abgesagt - Söhne Mannheims spielen

Die TUI-Arena in Hannover wurde entgegen ersten Angaben nicht geräumt, das geplante Konzert der Musikgruppe Söhne Mannheims fand wie geplant statt. Wegen Terrorgefahr wurde hingegen das Konzert des Saxophonisten Maceo Parker in Hannover abgesagt. Die Polizei habe ihm die Absage empfohlen, sagte Musikveranstalter Gerd Kespohl am Abend. Das Konzert im Kulturzentrum Pavillon sollte um 20 Uhr beginnen, es sei um 20.20 Uhr abgesagt worden, sagte Kespohl. Rund 900 Besucher waren zu der Veranstaltung gekommen.

Lautsprecherdurchsagen vor dem Stadion - U-Bahnbetrieb eingeschränkt

Über Lautsprecherdurchsagen vor dem Stadion forderte die Polizei die Besucher auf "zügig die Heimreise anzutreten". Ebenfalls über die Durchsagen wurden alle Standbetreiber aufgefordert, den Verkauf von Imbisswaren unverzüglich einzustellen." Es gebe absolut keinen Grund mehr, sich hier noch aufzuhalten. Rund ums Stadion wurden alle Autos kontrolliert, es bildeten sich kilometerlange Staus, der Verkehr stand teilweise nahezu still.

Der U-Bahn-Verkehr in Hannover lief nach der Terrorwarnung nur noch eingeschränkt. An einigen Haltestellen in der Innenstadt hielten die Bahnen nicht mehr. Dies sei auf Wunsch der Polizei angeordnet worden, sagte ein Sprecher der Nahverkehrsbetriebe. Auch Teile des Hauptbahnhofes waren zeitweise gesperrt.

"Sicherheit geht immer vor. Es ist eine Befürchtung, die man immer hat. Ich vertraue der Polizei, dass sie hier die richtige Entscheidung getroffen hat. Wenn eine Gefährdungslage vorliegt, dann müssen solche Schritte eingeleitet werden", sagte Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok dem SID.

Eine Stunde zuvor hatte die Polizei wegen des Fundes eines verdächtigen Gegenstandes einen Bereich vor dem Stadion abgesperrt. Nach eingehender Kontrolle wurde zu diesem Zeitpunkt noch Entwarnung gegeben.

Vier Tage nach den Terrorangriffen in Paris während des Länderspiels der DFB-Elf im Stade de France gegen Frankreich am Freitag galt für die Begegnung gegen den WM-Dritten aus den Niederlanden in Hannover die höchste Sicherheitsstufe.

Franzosen und Engländer in Wembley gegen Terror vereint

Indessen wurde in London das Spiel England gegen Frankreich wie geplant um 21 Uhr im Wembley-Stadion angepfiffen. Zuvor war die Marseillaise aus 90.000 Kehlen erklungen. Vier Tage nach den Anschlägen von Paris vollzogen die Equipe Tricolore und England einen emotionalen Schulterschluss gegen Terror und Hass - der allerdings durch die Absage in Hannover einen bitteren Beigeschmack bekam.

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