Berlin –

Polizeischutz für das Französische Gymnasium in Tiergarten

Vor Klassenfahrten soll das Auswärtige Amt konsultiert werden

Berlin.  Für viele Schulen war es am Montag offenbar überhaupt keine Frage. Bei einer telefonischen Umfrage hieß es immer wieder: „Wir beteiligen uns 12 Uhr an der Schweigeminute.“ Dazu gehörte auch das Französische Gymnasium an der Derfflingerstraße in Tiergarten. Die Schule wurde am Montag von Polizisten bewacht, die Jugendlichen sollten sich nicht in großen Gruppen versammeln. Die Schulleitung rief dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich „normal“ zu verhalten. Im Unterricht sollte über die Ereignisse von Paris gesprochen werden.

An der Sophie-Scholl-Oberschule in Schöneberg – einer Deutsch-Französischen-Europaschule – wurde ein Kondolenzbuch im Foyer ausgelegt, in das sich Schüler und Lehrer eintragen können. Die Georg-von-Giesche-Schule, ebenfalls eine Einrichtung in Schöneberg mit Französisch-Schwerpunkt, hat in den Klassen Bilder vom Eiffelturm als Peace-Zeichen aufgehängt.

Die Schüler der Kopernikus-Oberschule in Steglitz fahren jedes Jahr mit dem Fahrrad 1200 Kilometer durch Frankreich. Da die Fahrt erst wieder vor den Sommerferien 2016 stattfinde, sei sie im Moment nicht infrage gestellt, hieß es aus dem Sekretariat. Reisen von Klassen oder Unterrichtsgruppen müssen generell von der Schulleitung genehmigt werden. „Wir werden uns mit Sicherheit in der nächsten Zeit immer absichern, dass alle beteiligten Eltern zustimmen“, sagt Ralf Treptow, Vorsitzender der Schulleiter-Vereinigung. Wenn zum Beispiel eine 9. Klasse eine Fahrt nach Frankreich plane und sich 20 Eltern dafür und zehn dagegen aussprächen, würde er als Schulleiter der Reise momentan nicht zustimmen. Es sei schließlich eine Klassenfahrt, die keinen Sinn mache, wenn nur ein Teil der Schüler mitkomme.

Treptow setzt jetzt nicht auf besondere Empfehlungen, die von Institutionen ausgesprochen werden, sondern darauf, dass das „Verfahren für die Durchführung von Klassenfahrten verantwortungsvoll durchgesetzt wird“. Noch in dieser Woche sollen die Absprachen zwischen Geschichts- und Klassenlehrern erfolgen, in welcher Stunde mit den Schülern über die Anschläge gesprochen werde, so Treptow.

Ängste von Schülern und Eltern ernst nehmen

Die Goethe-Oberschule in Lichterfelde, an der als erste Fremdsprache Französisch gelehrt wird, unterhält einen regelmäßigen Austausch mit einer Partnerschule in Paris. „Es gibt viele private Kontakte, und wir schicken unsere Schüler regelmäßig für drei Monate zu französischen Gastfamilien“, sagt Schulleiterin Dagmar Porzelt. Daher sei die Betroffenheit groß. In allen Französisch-Klassen seien die Anschläge am Montag thematisiert worden, ebenso gehe ein Kondolenzbuch durch die Klassen. Bezüglich der nächsten Fahrten nach Paris, die in vier Monaten wieder anstehen, wolle die Schulleiterin die kommenden Wochen abwarten. Die Eltern würden in einem Schreiben informiert. „Wir gehen aber davon aus, dass wir die Fahrten unternehmen“, sagt Dagmar Porzelt. Es gebe die Tendenz, sich nicht unterkriegen zu lassen. Dennoch werde sie die Ängste der Eltern ernst nehmen.

Der Schüleraustausch solle weitergehen, betont auch Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung. „Wir weisen aber darauf hin, die Empfehlungen und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu berücksichtigen.“ Die Schulen sollten sich entsprechend der Klassenstufen mit den Anschlägen auseinandersetzen. In den nächsten Tagen würde mit ihnen über weitere Maßnahmen gesprochen, so die Sprecherin.