Reichspogromnacht

Tausende demonstrieren gegen Pegida in Dresden und München

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Unter dem Motto "Es reicht! Herz statt Hetze" demonstrierte ein breites Bündnis von Pegida-Gegnern in Dresden.

Unter dem Motto "Es reicht! Herz statt Hetze" demonstrierte ein breites Bündnis von Pegida-Gegnern in Dresden.

Foto: Oliver Killig / dpa

Am Jahrestag der Reichspogromnacht hat sich ein breites Bündnis gegen Pegida formiert. Tausende kamen nach Dresden und München.

Dresden/München.  Mehrere tausend Menschen haben am Montagabend in Dresden und München gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. In München bremsten Gegendemonstranten einen „Spaziergang“ von 100 Pegida-Anhängern aus. Auch in anderen Städten gab es Kundgebungen gegen Pegida.

Unter dem Motto „Herz statt Hetze“ versammelten sich nach Angaben der Initiative Durchgezählt in Dresden 4000 bis 6000 Menschen. Die Veranstalter vom Bündnis „Herz statt Hetze“sprachen von knapp 6000 Menschen. Zeitgleich versammelten sich auf dem Theaterplatz nach Angaben von Durchgezählt 7000 bis 8500 Anhänger der fremdenfeindlichen „Pegida“-Bewegung. In München waren zu einer einer Kundgebung gegen Pegida rund 3000 Menschen gekommen.

Scharfe Kritik an Dresdener Stadtverwaltung

Die Dresdner Stadtverwaltung war zuvor scharf kritisiert worden, weil sie am Jahrestag der Judenpogrome vor 77 Jahren und des Mauerfalls vor 26 Jahren die fremdenfeindliche „Pegida“-Kundgebung am geschichtsträchtigen Ort auf dem Theaterplatz erlaubt hatte. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte erklärt, geltendes Recht lasse kein Verbot oder eine Verlegung der angemeldeten „Pegida“-Kundgebung zu.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden, Nora Goldenbogen, kritisierte in ihrer Rede vor der Neuen Synagoge, dass Begriffe und Parolen aus der NS-Zeit „wieder ungeniert gesprochen werden können“. „Diese Sprache darf nicht mehr sein“, sagte sie. Mit Blick auf „Pegida“ sagte sie: Noch nie habe sie am Pogrom-Gedenktag am 9. November „ein so bedrückendes und erschreckendes Gefühl“ gehabt.

„Pegida“-Chef Lutz Bachmann hatte dazu aufgerufen, an dem für Deutschland „so vielfältig geschichtsträchtigen Tag“ vor allem „still und ohne Parolen“ zu demonstrieren, in „mahnender Ruhe und Besonnenheit“. Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling hielt das nicht von der Aufforderung ab, „den deutschen Schuldkomplex der zwölfjährigen Naziherrschaft offiziell für beendet“ zu erklären. Zudem hetzte sie gehen die Medien und „verbitterte Linke“.

München scheiterte mit Demonstrationsverbot vor Gericht

In München war die Stadt mit einem Verbotsversuch vor Gericht gescheitert. Der Verwaltungsgerichtshof bestätigte eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts und erklärte, allein die öffentliche Präsenz einer bestimmten Gruppierung am 9. November verleihe ihrer Versammlung „noch keine eindeutige Stoßrichtung gegen das Gedenken, dem dieser Tag gewidmet ist“.

Doch der geplante „Spaziergang“ der Anhänger des islamfeindlichen Bündnisses zum Siegestor fiel dennoch aus: Die Gruppe von rund 100 Demonstranten war von der zehnfachen Zahl von Gegendemonstranten und Antifa-Mitgliedern eingekesselt. Nach der Absage kam es kurzzeitig zu Tumulten, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Die Demonstranten hatten damit wörtlich genommen, was Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gesagt hatte: „Wir werden in München heute und immer wieder alle aufstehen und uns den Hasspredigern, den Ewiggestrigen und den menschenverachtenden Scharfmachern mit aller Macht entgegenstellen.“

Das Kreisverwaltungsreferat der Stadt München hatte Pegida am Donnerstag eine Absage für die Demo erteilt und diese auf Dienstag verlegt. Dagegen hatte Pegida sich mit einem Eilantrag gewehrt – und Recht bekommen. (law/dpa)

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