Politik

Hochexplosive Affäre

| Lesedauer: 2 Minuten
Matthias Steube

Die Geschichte fängt mit einem Skandal an. Die Schießanlage des Landeskriminalamtes am Tempelhofer Damm wurde 1996 in Betrieb genommen, obwohl eine angeforderte Schlussabnahme noch ausstand. 1997 kam ein Gutachten der Umweltkripo zu dem Ergebnis, dass dort Be- und Entlüftung nicht den Vorschriften entsprechen. Dennoch wurde am Tempelhofer Damm offenbar weiter geschossen. Bis zu dem Zeitpunkt als man feststellte: In der Lüftung hatten sich große Mengen zündfähigen Materials angesammelt. Ein Querschläger beim Schießen hätte zu einer heftigen Explosion führen können.

Auch Schießtrainer sollen immer wieder über unzureichend belüftete Hallen geklagt und seit 2003 wiederholt die Behördenleitung darüber informiert haben. Und was geschieht in der Polizeibehörde? Offenbar nichts. 2009 berichteten Beamte über die Schließung von Schießbahnen in der Anlage Bernauer Straße. Doch die Polizeiführung dementierte. Die Anlage sei uneingeschränkt nutzbar. 2010 verschwand in der Polizeibehörde dann ein Gutachten zur Situation auf den Schießständen. Weil es dramatische Mängel und Schadstoffbelastungen aufzeigte? Im August 2013 hieß es im Abschlussbericht der Projektgruppe Schießtraining: „Wir haben 19 Schießstände, davon 17 in Funktion, nur drei entsprechen den Schießstandrichtlinien. Die Arbeitsschutzbestimmungen werden von nahezu allen Anlagen nicht erfüllt.“ Ein vernichtendes Urteil.

Denn es macht klar, dass Polizeibeamte seit Jahren auf Anlagen geschickt wurden, die nicht den Anforderungen entsprechen. Hochexplosiv könnte die Affäre werden, sollte sich herausstellen, dass Krebserkrankungen von Schießtrainern im Zusammenhang mit den maroden Anlagen stehen. Polizeipräsident Klaus Kandt hat die Innenrevision seiner Behörde damit beauftragt, alle Vorgänge der vergangenen 15 Jahre aufzuklären. Das wird dauern. Kandt sollte aber keine Minute zögern, jene Beamten ausfindig zu machen, die als Schießtrainer und -ausbilder einer hohen Belastung ausgesetzt waren, und sie sofort medizinisch untersuchen zu lassen. Das verlangt die Fürsorgepflicht. Und das gebietet der Anstand.

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