Athen/Lesbos –

Schulz: Lage auf Lesbos ist „dramatisch“

| Lesedauer: 2 Minuten

EU-Parlamentspräsident und Premier Tsipras vor Ort

Athen/Lesbos.  EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ist auf der griechischen Insel Lesbos ganz unmittelbar mit dem täglichen Flüchtlingsdrama im Mittelmeer konfrontiert worden: Wenige Minuten, nachdem Schulz und der griechische Regierungschef Alexis Tsipras gestern auf der Insel gelandet waren, erreichten vor ihren Augen mehrere aus der Türkei kommende Flüchtlingsboote den Strand von Lesbos südlich der Hauptortschaft Mytilini. „Nach unserer Ankunft haben wir Boote gesehen und Menschen, die ins Wasser sprangen und an Land schwammen“, sagte Schulz sichtbar gerührt im griechischen Fernsehen. Die Lage sei „dramatisch“.

Wenige Stunden zuvor war ein Flüchtlingskind vor der Insel Kos ums Leben gekommen. Ein anderes Kind wurde noch vermisst, wie die Küstenwache mitteilte. 14 weitere Menschen konnten nach dem Kentern ihres Bootes gerettet werden. Die Stimmung auf Lesbos ist seit Tagen äußerst gespannt. Einwohner, freiwillige Helfer und die Beamten der Küstenwache sind am Ende ihrer Kräfte. Täglich werden Menschen tot an Land gespült, die Leichenhallen sind überfüllt. Weil wegen eines Streiks der Seeleute keine Fähren fahren, sitzen geschätzt 15.000 Flüchtlinge im Hafen fest.

Tsipras versprach, Griechenland werde die als Hotspots bezeichneten Registrierzentren einrichten. Eine endgültige Lösung sei dies aber nicht. Um zu verhindern, dass Schleuser am Schicksal der Flüchtlinge verdienen, schlug Tsipras weitere Hotspots in der Türkei vor: Von dort aus könnten die Flüchtlinge direkt und sicher in Europa verteilt werden, ohne die gefährliche Überfahrt zu den griechischen Inseln unternehmen zu müssen.

Schulz und Tsipras besuchten das Registrierzentrum der Insel in der Nähe des Dorfes Mória. Dort hatten sich Dutzende Demonstranten versammelt, die die Öffnung der Landgrenze zwischen Griechenland und der Türkei am Fluss Evros (türkisch: Meriç) forderten, damit Flüchtlinge nicht auf den Meeresweg ausweichen. Dies lehnte Tsipras ab. Einige Stellen des Flusses Evros seien noch vermint, sagte er.

( dpa )

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