Flüchtlingskrise

Boot gekentert – 21 Flüchtlinge ertranken in der Ägäis

Wieder sind Bootsflüchtlinge in der Ägäis ums Leben gekommen, als ihr Schiff kenterte. Unter den Opfern sind auch Kinder.

Ein verlassenes Flüchtlingsboot am Strand der griechischen Insel Lesbos. Doch nicht alle Flüchtlinge erreichen das Land.

Ein verlassenes Flüchtlingsboot am Strand der griechischen Insel Lesbos. Doch nicht alle Flüchtlinge erreichen das Land.

Foto: Socrates Baltagiannis / dpa

Athen.  Die Ägäis wird immer mehr zum Schauplatz tödlicher Flüchtlingsdramen. In der Nacht zum Freitag ertranken mindestens 22 Flüchtlinge, darunter zehn Kinder, vor griechischen Inseln.

Wie die griechische Küstenwache mitteilte, kenterte ein Flüchtlingsboot vor der Insel Kalymnos. Rettungsmannschaften konnten 138 Menschen aus den Fluten retten. Für 19 Flüchtlinge kam jede Hilfe zu spät. Mehrere Menschen werden noch vermisst, hieß es.

„Äußerst gefährliche Wetterlage“

Ein anderes Boot kenterte vor der Touristeninsel Rhodos. Drei Migranten starben, drei werden vermisst. Die Küstenwache konnte sechs Flüchtlinge retten.

Bereits in den vergangenen zwei Tagen waren in der Ägäis mindestens 17 Migranten ums Leben gekommen. Bei rauer See und heftigen Windböen kentern immer wieder die kleinen Flüchtlingsboote. „Die Wetterlage ist äußerst gefährlich“, sagte ein Offizier der Küstenwache.

Alexis Tsipras: „Ich schäme mich für Europa“

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras äußerte sich bestürzt über die neuen Flüchtlingstragödien in der Ägäis. Zugleich appellierte er an andere europäische Spitzenpolitiker, die Streitigkeiten über den Umgang mit Migranten zu beenden. „Als Mitglied der Führung Europas schäme ich mich“, sagte Tsipras am Freitag. Das eine Land schiebt das Problem dem anderen zu. „Die Wellen spülen nicht nur (tote) Migranten, sondern auch die europäische Kultur an Land“, sagte Tsipras.

Der Regierungschef versicherte, Griechenland werde 50.000 Migranten in Aufnahmelager und in Wohnungen aufnehmen. Er schlug aber vor, dass die so genannten Hotspots (Registrierzentren) der EU in der Türkei und Ländern wie dem Libanon, wo es Flüchtlingslager gibt, in Betrieb genommen werden. Damit würden die Flüchtlinge nicht gezwungen, die gefährliche Überfahrt aus der Türkei zu den griechischen Inseln zu unternehmen.