Politik

Berliner Energiewende

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Joachim Fahrun

Die Energiewende weg von Atom und Kohle, hin zu erneuerbaren Energien kann nur gelingen, wenn möglichst viele mitmachen. Berlin als Stadt hat sich bisher erst halbherzig beteiligt. Das lag auch daran, dass der deutschen Hauptstadt ein Akteur fehlte, der Energiesparen, Effizienz und die Nutzung von Wind, Sonne und anderen nachhaltigen Strom- und Wärmequellen zu seiner Sache gemacht hätte. Seit Berlin in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts seine Versorger Gasag und Bewag verkaufte, fehlte dem Senat schlicht die Kompetenz, eigene Energiepolitik zu betreiben. So blieb vieles Stückwerk in Berlin, obwohl sich viele Firmen, Behörden und halböffentliche Stellen für das Zukunftsthema Energie interessierten und Beiträge zum Klimaschutz leisteten.

Diese Phase geht nun dem Ende entgegen. Berlin hat sich aufgemacht, in diesem wichtigen Feld der Politik wieder zu einem Akteur zu werden. Das Stadtwerk mag zwar noch klein sein und hätte schneller und machtvoller an den Start gebracht werden können, wenn sich die Koalition einig wäre. Aber ein Anfang ist gemacht. Es gibt jetzt regionalen, ökologisch erzeugten Strom für jeden Berliner zu kaufen. Wer möchte, kann sich zumindest beim Bezug von elektrischer Energie abkoppeln von klimaschädlicher Kohle, riesigen Konzernen, riskanter Atomkraft. Und zwar so, dass Gewinne und die Wertschöpfung in der Stadt bleiben.

Wenn die Manager der Stadtwerke keine groben Fehler machen, müsste es ein großes Potenzial für sie geben. Die kommunale Trägerschaft und die Zusammenarbeit mit landeseigenen Wohnungsunternehmen garantieren einen Vertrauensvorschuss bei vielen Kunden. Die Idee, den eigenen Strom auf dem eigenen Dach zu produzieren, hat Charme. Die in Energiefragen zerstrittene Koalition darf die Entwicklung dieses Geschäfts nicht länger durch bremsende Vorgaben behindern. Selbst wenn sich SPD und CDU nicht einig sind über die Frage, wie stark die Stadt bei den Energienetzen einsteigen soll: Dass Berlin eine Plattform braucht, die die Energiewende aus eigenem Interesse vorantreibt, sollte selbstverständlich sein für eine Metropole. Andere sind da weiter als wir.Seite 12

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