Buenos Aires

Wahl in Argentinien beendet die Ära Kirchner

Nach zwölf Jahren übernimmt ein neuer Präsident das Ruder

Buenos Aires. Am heutigen Sonntag endet in Argentinien eine Ära: Nach zwölf Jahren „Kirchnerismus“ wird ein neuer Präsident gewählt. Als Favorit gilt der Kandidat der Regierungspartei FPV, Daniel Scioli. Der Gouverneur der Provinz Buenos Aires soll die links-liberale Politik fortführen, die das Ehepaar Néstor und Cristina Kirchner seit zwölf Jahren in Folge an der Staatsspitze verfolgt hat. Stärkster Gegner ist der Mitte-rechts-Kandidat und Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires, Mauricio Macri. Eine Stichwahl am 22. November gilt als wahrscheinlich.

Von 2003 bis 2007 regierte Néstor Kirchner das Land, und seit 2008 führt seine Witwe Cristina Fernández das Ruder am Rio de la Plata. Seit Evita und Juan Domingo Perón hat kein Ehepaar die Politik Argentiniens so geprägt und so polarisiert wie sie.

Cristina Kirchner würde gerne im Amt bleiben. Doch das verbietet die Verfassung. Es gilt aber als offenes Geheimnis, dass sie in vier Jahren noch mal antreten will. Immerhin scheidet sie mit einer Zustimmungsrate von 40 Prozent aus dem Präsidentenpalast. Kein argentinisches Staatsoberhaupt konnte das zuvor von sich behaupten.

Doch wer auch immer gewinnt, tritt ein schweres Erbe an, meint Rosendo Fraga, Chef des Thinktanks Nueva Mayoria in Buenos Aires. Der Ausgabenwahnsinn der aktuellen Regierung könne nicht mehr aufrechterhalten werden, betont Fraga. Dazu finden die Wahlen in einem sich verschlechternden Wirtschaftsklima in Lateinamerika statt. Argentinien zählt zwar zu den wirtschaftlich starken Ländern des Subkontinents, hat sich aber vom Staatsbankrott 2002 nicht völlig erholt. Auf die Pleite folgten Jahre des Wachstums, begünstigt durch Exporterfolge bei Getreide und Soja. Das ist längst vorbei. Die Inflationsrate liegt bei mindestens 30 Prozent, und ein Streit um Milliardenforderungen von Hedgefonds ist noch nicht ausgestanden.