Politik

Airline am Abgrund

Nun also eine Atempause in letzter Minute im Streit um die Codeshare-Flüge von Air Berlin und ihrer Anteilseignerin Etihad. Dass ein Verwaltungsgericht aus der niedersächsischen Provinz die Entscheidung trifft, die Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und das ihm unterstellte Luftfahrtbundesamt seit mindestens einem Jahr vor sich hergeschoben haben, ist beschämend. Bereits seit zwei Flugplänen reizt die Air Berlin das Luftfahrtabkommen mit den Emiraten aus, überschreitet offenbar ihr Flugkontingent und hangelt sich mit ihren Flugplänen von einer Sondergenehmigung zur nächsten. Da wurde von offizieller Seite auf Zeit gespielt – sei es aus Kalkül oder purem Bürokratismus.

Der Zorn des Berliner Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) über dieses Versagen der Bundesbehörden auf unterschiedlichen Ebenen ist mehr als verständlich. Müller forderte zu Recht eine schnelle Entscheidung, die der Fluggesellschaft Air Berlin und ihren Beschäftigten Planungssicherheit geben und die Wirtschaftskraft der Hauptstadt stärken sollte.

Doch das ist nicht die einzige Frage, die der Streit offen legt. Wie schlecht ist es wirklich um Air Berlin mit ihren mehr als 8000 Beschäftigten (darunter 2800 in Berlin) bestellt? Dass die Genehmigung von 29 Flügen ausreicht, um die Fluggesellschaft Air Berlin in den finanziellen Abgrund zu treiben, wie in den vergangenen Tagen immer wieder angedeutet wurde, mag man kaum glauben. Wenn das Schicksal der Airline mit einem Jahresumsatz von mehr als vier Milliarden Euro von einem Zusatzumsatz in Höhe von 140 Millionen Euro abhängen würde, wäre es noch schlechter um sie bestellt als bislang angenommen. Um so dringender erscheint, dass Air-Berlin-Chef Pichler endlich sein Sanierungskonzept auf den Tisch legt.

Die Etihad, die sich bei einer maroden Gesellschaft nach der anderen (Airserbia, Alitalia, Air Berlin) einkauft, kann sich erst mal zurücklehnen. Für sie ist Ruhe an der Codeshare-Front wichtig. So gerät der Markt nicht in unkontrollierte Bewegung, und ihr großer Mitbewerber Emirates fängt mit seiner riesigen Airbus-380-Flotte nicht an, Destinationen der Etihad-Partner zu erobern.