Berlin

De Maizière will die Islamkonferenz stärker einspannen

Die Flüchtlinge sollen nicht religiös heimatlos werden

Berlin.  Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will die Islamkonferenz stärker zur Bewältigung der Flüchtlingskrise heranziehen. Dabei geht es ihm darum, dass die Flüchtlinge „religiös nicht heimatlos werden“, wie er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst erläuterte. Dahinter steckt zunächst einmal eine sicherheitspolitische Sorge: Wer auf sich allein gestellt und desorientiert ist, der sei womöglich auch anfälliger für Anwerbeversuche von Salafisten.

Zum anderen will de Maizière die hier lebenden Muslime stärker dafür einspannen, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und zu integrieren. „Das wäre ein wunderbarer Dienst für die Akzeptanz von Muslimen in unserem Land“, glaubt der Innenminister. Schon am 10. November, wenn der Lenkungsausschuss der Islamkonferenz tagt, will der Innenminister für seine Positionen werben.

An die Neuankömmlinge hat er klare Erwartungen. Sie müssten erstens die freiheitliche demokratische Grundordnung – „unsere Werteordnung akzeptieren, unsere Gesetze einhalten“ –, und zweitens „unsere Art zu leben“ anerkennen. Gemeint sind etwa Toleranz und die Gleichberechtigung der Geschlechter. „In manchen Punkten müssen wir das vielleicht noch deutlicher sagen“, erkannte der Bundesinnenminister.

Die Bürger müssten „keine übertriebene Angst“ vor Überfremdung haben und stattdessen „für unsere Werte einstehen“. So erwartet er von den Christen, dass sie sich stärker zu ihrem Glauben bekennen. Das wäre für den CDU-Politiker „zugleich ein Gegenbeweis zu der Befürchtung, unser Land würde islamisiert“. Wörtlich fügte er hinzu: „Mit lauen Weihnachtschristen ist nicht gut streiten.“

Ganz allgemein ist Thomas de Maizière davon überzeugt, dass sich Deutschland mit und wegen der Flüchtlinge verändern werde. So erfordere ihre Unterbringung und Integration in manchen Bereichen ein Abrücken von alten Gewohnheiten. „Es gibt Punkte, bei denen wir uns verändern müssen“, unterstrich der CDU-Politiker. „Wir müssen zur Problemlösung mehr gesunden Menschenverstand benutzen und nicht auf die Einhaltung bestehender Regeln pochen“, erklärte er.

Es könnten nicht so viele Kinder beschult und so viele Wohnungen wie benötigt gebaut werden, „wenn wir das in unserer bisherigen gründlichen, aber sehr langsamen Art und Weise tun“. Ein Beispiel: „Wenn wir weiter so vorgehen, dass wir fließende Sprachkenntnisse zur Bedingung von Arbeit machen, wird Integration nicht gelingen“, warnte der Minister. Man müsse Menschen in Berufen akzeptieren, „die noch nicht so gut Deutsch sprechen“. Der beste Weg zur Integration sei Arbeit, glaubt de Maizière.