Berlin

US-Soldaten sollen länger in Afghanistan bleiben

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Miguel Sanches

Hellmich: „Die Würfel sind in Washington wohl gefallen“

Berlin. Die Bundeswehr soll ihre Pläne für einen Afghanistan-Abzug „einfrieren“. Das hat der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Wolfgang Hellmich (SPD), gefordert. Hellmich sagte am Montag der Berliner Morgenpost, die Bundesregierung müsse die Konsequenzen daraus ziehen, dass mit den USA der größte Bündnispartner ebenfalls länger am Hindukusch bleiben wolle. Dies habe der Präsident der Parlamentarischen Versammlung der Nato, der US-Kongressabgeordnete und Republikaner Michael Turner, auf der 61. Jahrestagung der Abgeordneten im norwegischen Stavanger angekündigt. „Die Würfel sind in Washington wohl gefallen“, vermutete Hellmich.

Turner verwies vor allem auf das Lagebild durch die US-Generalität. Zuggleich stellte er ein „robusteres Mandat“ für die amerikanischen Streitkräfte am Hindukusch in Aussicht. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg machte in Stavanger klar, dass ein Abzug verfrüht sei und Afghanistan weiter stabilisiert werden müsse. „Nun müssen wir im Bundestag entscheiden, ob und wie die Bundeswehr weiter in Afghanistan verbleiben kann“, forderte Hellmich. Seit dem Fall von Kundus deutete sich der Kurswechsel an, spätestens jedoch seit dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in der vergangenen Woche in Brüssel.

Ein UN-Report dokumentiert das Wiedererstarken der Taliban

Der Meinungsumschwung – von Washington bis Berlin – ist in der Tat eine Folge des Wiedererstarkens der radikal-islamischen Taliban. Sie sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen wieder so stark geworden wie seit dem Sturz ihres Regimes 2001 nicht mehr. Die UN-Mission in dem zentralasiatischen Land habe bereits im September die Bedrohung durch die Aufständischen in der Hälfte der Bezirke als „hoch“ oder „extrem“ eingestuft, berichtete der afghanische Fernsehsender Tolo News unter Berufung auf einen unveröffentlichten UN-Report. Zuletzt hatten Ende September Talibankämpfer die nordafghanische Stadt Kundus eingenommen. Offenbar sind sie immer noch nicht vollständig wieder vertrieben. Laut Tolo News haben die UN in den vergangenen zwei Wochen vier ihrer 13 Provinzbüros aus Sicherheitsgründen evakuiert. Am Montag wurde eine afghanische Ärztin, die für die Vereinten Nationen arbeitete, auf offener Straße in Kandahar erschossen.

Auch der afghanische Präsident Aschraf Ghani musste die düstere Lage neun Monate nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen einräumen. „Wir hatten in den vergangenen sechs Monaten gleichzeitig Kämpfe in 13 Provinzen“, sagte er zu Kritik an der Regierung nach dem Fall von Kundus. In Afghanistan gibt es 34 Provinzen. Die Nato wollte ursprünglich ihren Ausbildungs- und Unterstützereinsatz nicht über 2016 hinaus verlängern.

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