Berlin

Kurden demonstrieren in Deutschland

Tausende machen ihrem Zorn auf Erdogan Luft

Berlin.  Unmittelbar nach dem verheerenden Anschlag in der Türkei haben in mehreren deutschen Städten Tausende Kurden und Sympathisanten gegen den Terrorismus demonstriert. Bei Kundgebungen machten Teilnehmer den türkischen Staat und den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für die Tat verantwortlich. „Kein Beileid für Erdogan aussprechen, denn er ist der Täter“, stand auf einem Schild bei einer Demonstration in Hamburg.

Ein Protestmarsch in Berlin war bereits vor dem Anschlag in der Türkei angemeldet worden und galt eigentlich der Forderung nach Freilassung des PKK-Führers Abdullah Öcalan. Einige hielten aber auch Fotos von Opfern des Anschlags in Ankara in die Höhe. Die größte Kundgebung wurde aus Stuttgart gemeldet, wo spontan etwa 5000 Menschen auf die Straße gingen.

In Hamburg beteiligten sich 1500, überwiegend Kurden, in Berlin 1000 und in Mannheim bis zu 400 Demonstranten. „Sag Nein zum Staatsterror“ forderten 200 Teilnehmer in Karlsruhe. In Heilbronn kamen etwa 350 Menschen zu einer Demo der Kurdischen Gemeinschaft. Auch in Ulm, Heidenheim und Pforzheim wurde demonstriert. Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

Bei dem Terroranschlag in Ankara wurden nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP mindestens 122 Menschen getötet. Ein HDP-Funktionär, der anonym bleiben wollte, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Opferzahl könne jedoch noch weiter steigen. Mehr als 500 Menschen seien verletzt worden. Die HDP sieht sich als Ziel des Anschlags und macht der politischen Führung des Landes schwere Vorwürfe. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Etwa 80 Kurden haben am Sonntag auch in Dresden gegen den Terroranschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara protestiert. Ein Mitglied der kurdischen Gemeinde in Dresden vermisse noch seinen Bruder, der an der Demonstration in Ankara teilgenommen habe, hieß es. Zu der Spontandemonstration auf dem Theaterplatz hatte der Verein Deutsch-Kurdischer Begegnungen aufgerufen. Auf einem Plakat wurde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als Terrorist bezeichnet.