Berlin

Erste Kirche für Flüchtlinge in Berlin eröffnet

Berlin. Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat an diesem Donnerstag die bundesweit erste Flüchtlingskirche in Berlin eröffnet. In der Kreuzberger Kirche St. Simeon soll für Flüchtlinge und ihre Helfer ein Raum für Begegnungen und Beratung geschaffen werden, sagte Landesbischof Markus Dröge bei der Vorstellung des Projekts am Mittwoch. „Wir wollen mit Flüchtlingen sein“, betonte der Bischof. Er erinnerte an ein Wort des Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie Kirche für andere ist.“

Der Bischof widersprach energisch dem Eindruck, die Hilfsbereitschaft der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer erschöpfe sich langsam. „Ich bin nicht der Meinung, dass die Stimmung kippt, im Gegenteil. Sie kippt höchstens, wenn sie gekippt wird“, sagte Dröge. „Uns um Menschen in Not zu kümmern, ist ein Wesensausdruck unseres Glaubens.“

Die Kirche wolle zusammen mit dem Diakonischen Werk Stadtmitte einen öffentlichen Raum für Begegnungen mit den Flüchtlingen, für Beratungen, politische Diskussionen, Jugend- und Bildungsarbeit schaffen. Dabei soll vor allem auch den vielen ehrenamtlichen Helfern professionelle Supervision geboten werden. Ein zehnköpfiges Team aus Pfarrern, Sozialarbeitern, Dolmetschern und Flüchtlingslotsen stehe dafür bereit.

Warnung vor einer Gefährdung des sozialen Friedens

Ende August hatte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg angekündigt, ihre Hilfe für Flüchtlinge auszubauen und hatte die Gemeindeglieder zur Unterstützung aufgerufen. Im kommenden Haushalt sind dafür weitere 500.000 Euro für Projekte der kirchlichen Flüchtlingsarbeit vorgesehen. Bereits 2014 hatte die Synode eine halbe Million Euro für den Flüchtlingsfonds bewilligt. Seit Wochen und Monaten engagierten sich Hunderte Ehrenamtliche in Gemeinden, Einrichtungen und Initiativen um Flüchtlinge, damit diese mit dem Nötigsten versorgt werden. Je Kirchenmitglied fließe ein Euro in die Arbeit mit Flüchtlingen ein. Ein Großteil sei bereits an die Gemeinden und die Diakonie gegangen.

Zuletzt hatten die evangelische und die katholische Kirche angesichts der gestiegenen Flüchtlingszahlen vor einer Gefährdung des sozialen Friedens in Deutschland gewarnt. „Wenn wir es nicht schaffen, die soziale Gerechtigkeit und die Situation der Schwachen zu verbessern, bekommen wir ein Integrationsproblem“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, vergangenen Freitag in Berlin.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.