Washington

Obama: Putins Vorgehen in Syrien führt ins Verderben

Obama: Russlands Militäreinsatz in Syrien stärkt Islamischen Staat

Der russische Militäreinsatz in Syrien stärkt nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama die Terrormiliz Islamischer Staat (ISIL). Putin unterscheide nicht zwischen dem IS und der moderaten Opposition. Aus Moskaus Perspektive seien alle Assad-Gegner Terroristen. Dies sei das Rezept für eine Katastrophe, so der US-Präsident. Assad sei Teil des Problems. “Assad ist nur deshalb noch an der Macht, weil Russland und der Iran ihn unterstützen. Wenn wir jemals einen politischen Wandel wollen, dann brauchen wir die gemäßigte Opposition in Syrien. Das russische Vorgehen aber treibt diese Leute in den Untergrund oder schafft eine Situation, in der die Opposition geschwächt wird, und das wiederum stärkt ISIL.” Obama sagte, die USA seien bereit, mit Moskau und dem Iran über eine politische Lösung zu sprechen. Gleichzeitig wies er die Einschätzung zurück, die USA und Russland lieferten sich in Syrien einen Stellvertreterkrieg. Dies sei kein Schachspiel unter Supermächten, so Obama. Er sagte, die meisten Syrer sähen Russland inzwischen als Feind an – eine Haltung, die viele Sunniten in der arabischen Welt bald teilen könnten. Zugleich trat er der Auffassung entgegen, in Syrien nicht genug geleistet zu haben. Die Missionen im Irak und in Afghanistan hätten gezeigt, dass ein US-Militäreinsatz die Probleme eines in mehrere Kampfparteien gespaltenen Landes nicht ohne weiteres lösen könne. “Dies ist ein enorm schwieriges, komplexes Problem”, sagte Obama. Wie zuvor das Pentagon räumte Obama ein, dass die 500 Millionen Dollar (446 Millionen Euro) teure Ausbildung syrischer Rebellen nicht nach Plan verlaufen sei. Wenn das syrische Regime die Rebellen aus dem Westen mit Fassbomben angreife, sei es schwierig, die Kämpfer zum Blick nach Osten und der dort wütenden Terrormiliz Islamischer Staat zu bewegen.

Obama: Russlands Militäreinsatz in Syrien stärkt Islamischen Staat

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Washington. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) wird nach Ansicht von US-Präsident Barack Obama durch die russischen Luftangriffe in Syrien gestärkt. Russland schwäche die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfende, gemäßigte Opposition, sagte Obama in Washington. „Die russische Politik treibt (die Rebellen) in den Untergrund oder erzeugt eine Situation, in der sie geschwächt werden, und es stärkt (den) IS nur. Und das ist für niemanden gut“, fügte er hinzu.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew wies die Kritik an den Luftangriffen zurück. Mit den Attacken wolle Moskau auch Islamisten von seinem Staatsgebiet fernhalten, sagte er in einem am Sonnabend ausgestrahlten Interview des TV-Senders Rossija-24. „Wir schützen das Volk Russlands vor Terror – weil es besser ist, dies im Ausland statt auf eigenem Territorium zu tun“, sagte der Ministerpräsident.

Aktivisten zufolge wurden bei den russischen Luftangriffen binnen vier Tagen 39 Zivilisten getötet. Zudem seien zwölf IS-Dschihadisten und zwei Kämpfer der al-Qaida-nahen Al-Nusra-Front umgekommen.

Russische Flugzeuge greifen seit der Nacht zum Mittwoch Ziele in Syrien an, um die Truppen Assads zu entlasten. Binnen 24 Stunden seien etwa 20 Einsätze gegen neun IS-Ziele geflogen worden, sagte der russische Generalmajor Igor Konaschenkow in Moskau. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen die Angriffe noch verstärkt werden.

US-Präsident Obama sieht den russisch-iranischen Ansatz zur Lösung des Syrien-Kriegs zum Scheitern verurteilt. „Aus ihrer Perspektive sind (die Rebellen und die Kämpfer der IS-Terrormiliz) alle Terroristen, und das ist ein Rezept für eine Katastrophe“, sagte er. Teil des Problems in Syrien sei eindeutig Assad, den Obama einen „brutalen, skrupellosen Diktator“ nannte. Dieser sei dank der Unterstützung Moskaus und Teherans noch immer an der Macht.

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