Berlin/Ingolstadt

VW ruft fünf Millionen Autos in Werkstatt

Staatsanwaltschaft Ingolstadt leitet Prüfverfahren gegen Audi ein

Berlin/Ingolstadt. Nach Volkswagen gerät auch die VW-Tochter Audi im Abgasskandal ins Visier der Staatsanwaltschaft. „Wir haben ein Prüfverfahren in Bezug auf die Firma Audi eingeleitet“, sagte Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle von der Staatsanwaltschaft in Ingolstadt, dem Stammsitz von Audi, der Berliner Morgenpost. „Wir prüfen derzeit alle Fakten, um entscheiden zu können, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden muss.“

Die Staatsanwalt sei gleich nach Bekanntwerden des VW-Skandals aktiv geworden und stehe bereits in engem Austausch mit der Staatsanwaltschaft in Braunschweig. Bei Audi sind nach Konzernangaben mehr als zwei Millionen Fahrzeuge mit den manipulierten Motoren ausgestattet worden. Die Frage, ob gegen mögliche Verantwortliche im Audi-Management ermittelt werden müsse, könne derzeit noch nicht beantwortet werden, sagte Herrle. Möglicherweise würden die Verfahren auch bei einer Staatsanwaltschaft gebündelt.

Volkswagen will derweil wegen der Manipulation von Abgaswerten rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke VW in die Werkstätten rufen. Diese Fahrzeuge bestimmter Baujahre und Modelle seien mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet, der über eine Manipulationssoftware verfügt. Betroffen seien beispielsweise der VW Golf sechster Generation, der Passat in siebter Generation und das erste Modell des Geländewagens Tiguan.

Umweltverbände fordern eine Untersuchung des VW-Abgasskandals durch eine unabhängige Kontrollbehörde. Das Verkehrsministerium und Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hätten Hinweise zu einem überhöhten Schadstoffausstoß deutscher Dieselautos jahrelang ignoriert, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält Ministerium und KBA für „keine geeigneten Institutionen zur lückenlosen Aufklärung des Abgasskandals. Sie sind Teil einer Kultur des Vertuschens und Verschweigens, die zu dem Skandal geführt hat“, sagte der BUND-Chef Hubert Weiger.