Berlin

Und er kann es nicht lassen

| Lesedauer: 3 Minuten
Alexander Kohnen

Helmut Schmidt raucht wieder. Andere Politiker ziehen nur noch heimlich an der Zigarette

Berlin.  Es war eine Schlagzeile mit Vorbehalt: „Helmut Schmidt raucht nicht mehr – vorerst“. Das war am 11. September. Nach seiner Beinoperation geht es dem Altkanzler jetzt wieder besser. Und der 96-Jährige, der bekannteste Raucher Deutschlands, qualmt auch wieder. „Der Kanzler raucht wieder wie in alten Zeiten“, sagte der Hamburger Arzt Karl-Heinz Kuck, der Schmidt operiert hatte, der „Bild“-Zeitung. Und Kuck ist zuversichtlich: „Die 97 schafft er sicher.“ Natürlich nicht wegen der Zigaretten. Sondern weil Schmidt „gute Gene“ habe. Im Krankenhaus rauchte Schmidt im Gegensatz zu früheren Klinikaufenthalten nicht. Stattdessen wurden ihm Nikotinpflaster auf die Haut geklebt.

Mehr als eine Millionen Zigaretten soll der Altkanzler in seinem Leben geraucht haben. Die Rechnung, die die „Hamburger Morgenpost“ zu seinem 95 Geburtstag machte: Schmidt soll mit 15 Jahren mit dem Rauchen angefangen haben – und 40 Zigaretten pro Tag geraucht haben. Multipliziert man 40 mit 365 Tagen, und multipliziert man diesen Wert wiederum mit 80 Jahren, dann macht das: 1.168.000 Zigaretten.

Eine Serie mit kurzen Schmidt-Interviews hieß sogar „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“. Allein dieser Titel zeigt: Öffentliches Rauchen ist heute etwas Besonderes, ein Alleinstellungsmerkmal. Zigaretten sind aus der Mode gekommen, sogar verpönt. Sie stinken, und sie sind ungesund. In den 60er- und 70er-Jahren wurde hingegen überall gequalmt, rauchende Politiker waren nichts Ungewöhnliches. Das galt auch noch für Schmidts Nachfolger. Helmut Kohl steckte sich früher öfter eine Pfeife an, wurde 1975 Pfeifenraucher des Jahres.

Gerhard Schröder, Kanzler von 1998 bis 2005, rauchte Zigarren. Wenn Schröder mal wieder zu arbeitgeberfreundlich agierte, druckten Zeitungen Fotos von ihm mit Cohiba und schrieben etwas über den „Genossen der Bosse“. Laut „Spiegel“ sprach Schröder auch mal mit der Zigarre zwischen den Zähnen, wie Hannibal Smith in der US-Fernsehserie „A-Team“. Er soll dann zum Beispiel bei den Koalitionsverhandlungen 2002 in die Runde gefragt haben: „Hat einer was dagegen, wenn ich rauche? Muss er nur sagen, ich hör sofort auf.“ Aber wer traut sich schon, dem Bundeskanzler das Rauchen zu verbieten.

Schröders Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) raucht nicht. Doch auch die amtierende Kanzlerin hatte ihre wilde Phase. Anfang der 90er-Jahre, Merkel war damals Familienministerin im Kabinett von Kohl, rauchte sie eine Schachtel am Tag. „Neon“ hat sie mal erzählt, warum sie dann aufgehört hat: „Ich war zuvor oft erkältet gewesen, seitdem habe ich einfach keine Lust mehr aufs Rauchen.“

Rauchen, das war Bonn. Es gibt wahrscheinlich mehr Fotos vom langjährigen SPD-Faktionschef Herbert Wehner mit Pfeife als ohne. In der Berliner Republik sieht man kaum noch Politiker, die öffentlich rauchen. Manche tun es, wenn keine Kameramänner oder Fotografen dabei sind. Andere haben wegen ihrer Gesundheit aufgehört. Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken, rauchte bis zu seinem ersten Herzinfarkt zwei Schachteln Marlboro am Tag.

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