Berlin

Flüchtlinge sollen in Jugendherbergen wohnen

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Plätze für 3800 Menschen.Regierung übernimmt Kosten für Sonderzüge

Berlin.  Die Jugendherbergen in Deutschland wollen in der kalten Jahreszeit Tausenden Flüchtlingen eine Unterkunft bieten. Ab dem 1. Oktober könnten allein in den fünf Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bremen insgesamt rund 3800 Flüchtlinge vorübergehend in Jugendherbergen wohnen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks, Bernd Dohn. Die Herbergen wollen damit verhindern, dass Menschen im Winter weiter in Zelten leben müssen.

„Bislang reagieren wir auf den sehr dringenden Bedarf der Kommunen und Landkreise. Jede Anfrage wird auf Machbarkeit geprüft. Das beugt auch möglichen Interessenkonflikten mit anderen Gästen vor“, sagte Dohn. Die Belegung sei so organisiert, dass einzelne Häuser komplett frei würden, um Flüchtlinge aufzunehmen.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft im Fall eines gefälschten Landratsschreibens im Kreis Oberhavel wegen Volksverhetzung ermittelt. Der vorgeblich vom Landrat verfasste Brief informiert Einwohner über eine Zwangsaufnahme von Flüchtlingen in ihren Privatwohnungen. Weil die Täter einen Briefbogen des Landkreises nachahmten und die Unterschrift des Pressesprechers fälschten, ermittelt der Staatsschutz auch wegen Urkundenfälschung, wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin und die Polizei mitteilten.

Der Brief wurde ersten Erkenntnissen zufolge in Hennigsdorf und vermutlich in weiteren Orten verteilt. „Das ist eine ganz perfide Methode, die Bemühungen des Landkreises bei der Unterbringung von Asylbewerbern zu unterlaufen und die Bürgerinnen und Bürger zu verunsichern“, sagte Landrat Ludger Weskamp (SPD). Er vermutet einen rechten Hintergrund. Weskamp rief dazu auf, sich von der Fehlinformation nicht verunsichern zu lassen.

Zuletzt meldeten sich immer wieder Einwohner mit Fragen beim Landkreis. Das Schreiben behauptet, dass der Landkreis in Privatwohnungen Asylbewerber unterbringen müsse. Wohnraum von mehr als zwölf Quadratmetern pro Person je Haushalt müsse den Behörden gemeldet werden, damit Asylbewerber einziehen könnten.

Derweil berichtet die Deutsche Bahn, in den vergangenen drei Monaten rund 130.000 Flüchtlinge in mehr als 100 Sonderzügen befördert zu haben. Das sagte Bahn-Vorstand Ronald Pofalla der „Rheinischen Post“. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor drei Wochen die Einreise in Ungarn festsitzender Flüchtlinge erlaubt hat, ist die Bahn an der Bewältigung des Andrangs beteiligt. Zuletzt habe die Bundesregierung der Bahn die Übernahme der Kosten zugesagt, sagte Pofalla. Der frühere Kanzleramtsminister ging von einem siebenstelligen Betrag aus. Am Sonnabend kam ein Sonderzug mit 430 Flüchtlingen aus Österreich in Berlin an.

( dpa )

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