Politik

Pilotprojekt mit Chancen

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Andreas Abel

Davon träumt jeder Fahrradfahrer: Eine Route, auf der man „Tempo machen“ kann, ohne Angst haben zu müssen, dass ein Fußgänger oder ein Auto den Weg kreuzt und ohne dass man andauernd stoppen muss, weil die Ampel auf Rot steht. So einen Fahrrad-Schnellweg hat die Steglitz-Zehlendorfer CDU jetzt vorgeschlagen und erntet dafür viel Applaus. Lediglich der Bahnkundenverband ist skeptisch-reserviert, denn die Union möchte dafür die stillgelegte Stammbahntrasse nutzen, die zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz parallel zu S-Bahn-Linie 1 verläuft. Und die solle doch schließlich wieder aufgebaut werden, so der Verband.

Aber noch ist völlig unklar, wer das eigentlich bezahlen soll und ob wirklich Bedarf für eine solche Regionalbahnlinie besteht, der den Einsatz der vielen Millionen Euro rechtfertigt. Ganz abgesehen davon, werden Bahnlinien nicht innerhalb weniger Jahre geplant und gebaut. Warum also in dieser Zeit auf jegliche Zwischennutzung verzichten? Zustimmung für ihre Idee erhält die CDU aber nicht nur von Radfahrern. Auch Autofahrer können einem solchen Schnellweg etwas abgewinnen, entlastet er doch im täglichen Verteilungskampf um den Straßenraum auch sie.

Und die Union ist beileibe nicht die einzige Stimme, die sich mit einem solchen Konzept für den Radverkehr in Berlin stark macht. InnoZ, das renommierte Forschungs- und Beratungsunternehmen, das von Institutionen der Wissenschaft und von Firmen wie Siemens, der Deutschen Bahn und der Telekom getragen wird, hat ganz ähnliche Pläne für die Nutzung der Stammbahntrasse entwickelt. Und InnoZ ist sicherlich unverdächtig, lediglich Populismus im Vorfeld eines Wahlkampfes zu betreiben.

Bleibt die Frage der Finanzierung. Die CDU setzt auf privates Geld und will dafür Werbetafeln gewähren. Warum eigentlich? Es gibt im Bund und auf EU-Ebene etliche Fördertöpfe und Wettbewerbsetats, in denen ein solches Pilotprojekt Chancen haben könnte. Dafür müsste man dann wohl allerdings auf den Begriff „Fahrrad-Autobahn“ verzichten. Der mag einigen zwar schön griffig erscheinen, ist aber letztlich doch nur irreführend.

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