Lageso Berlin

Soldaten werden zur Deeskalation vor dem Lageso geschult

Der Koordinierungsstab zum Flüchtlingsmanagement hat alle Hände voll zu tun. Zunächst geht es um eine Entspannung vor dem Lageso.

 In den vergangenen Tagen hatte sich die Stimmung unter den täglich Hunderten von Asylbewerbern vor dem Lageso wegen der langen Wartezeiten auf ihre Registrierung verschärft

In den vergangenen Tagen hatte sich die Stimmung unter den täglich Hunderten von Asylbewerbern vor dem Lageso wegen der langen Wartezeiten auf ihre Registrierung verschärft

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die neuen Berliner Flüchtlingskoordinatoren wollen zuerst die Wartesituation vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) verbessern. Maßnahmen zur Deeskalation seien der Schwerpunkt der ersten großen Runde des Berliner Koordinierungsstabes am Mittwoch unter Leitung des Staatssekretärs für Flüchtlingsfragen, Dieter Glietsch, und Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle gewesen, sagte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding, am Mittwoch.

Erneut warteten Hunderte Asylbewerber vor dem Lageso auf ihre Registrierung. In den vergangenen Tagen hatte sich der Frust über stunden- und tagelanges Warten teilweise in gewalttätigen Auseinandersetzungen entladen.

Auseinandersetzung zwischen Beamten und Wartenden

Am Dienstag waren erstmals Gegenstände gegen Sicherheitsleute geflogen. Die Polizei war mit zwölf Mannschaftswagen angerückt und hatte die Lage so beruhigt. Auch in den Tagen zuvor war immer wieder die Polizei zu Hilfe gerufen worden. Die aufgeheizte Stimmung war durch einen Streit zwischen einer Flüchtlingsfamilie und einem Sicherheitsmann entstanden. Nach Angaben der Polizei hatte der 25-Jährige die Familie des Gebäudes verwiesen, nachdem sie sich lautstark gestritten hatte und sich nicht beruhigen ließ.

Die Auseinandersetzung eskalierte, nachdem beim Gang hinaus ein einjähriges Mädchen auf der Treppe stürzte. Als die Wartenden draußen von dem Vorfall erfuhren, stiegen einige lautstark schimpfend über die Absperrgitter, um in das Gebäude zu kommen. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein, um sie daran zu hindern. Die aufgebrachten Menschen warfen einen Stuhl auf die Beamten und beschädigten ein Polizeifahrzeug. Augenzeugen berichteten, auch Steine seien geflogen. Gegen den 25-jährigen Wachmann wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Erste Bundeswehrsoldaten für Mitarbeit geschult

Am Mittwoch wurden die ersten 15 von 50 Bundeswehrsoldaten, die die Mitarbeiter des Lageso bei der Registrierung der Flüchtlinge unterstützen sollen, im Lageso geschult. Von Donnerstag an werden sie zunächst in der Außenstelle Kruppstraße eingesetzt. Dort werden die Asylbewerber registriert, die auf der Balkanroute in Bayern eintrafen und vor dort auf die Länder verteilt werden. Der nächste Zug aus Bayern mit rund 500 Flüchtlingen wird erst am Donnerstagmorgen am Bahnhof Schönefeld erwartet. Die für Mittwoch angekündigte Ankunft verzögerte sich.

Auf der Suche nach weiteren Immobilien zur Unterbringung der Flüchtlinge berät das Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg am Mittwochabend ungewöhnliche Schritte. Auf Antrag der Grünen-Fraktion soll über die Beschlagnahmung leerstehender Privatwohnungen aus Spekulationsgründen beraten werden. Genannt wird unter anderen das Kreuzberger Gründerzeitareal Riehmers Hofgarten, in dem Wohnungen seit Jahren leer stehen sollen. Die Grünen berufen sich auf das Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) in Berlin. Es sehe vor, dass zur Abwehr von Obdachlosigkeit auch Privatwohnungen sichergestellt werden könnten.