Erklärvideo auf Youtube

Wie der Viralclip zur Flüchtlingskrise entstand

Ein Animationsclip beschreibt die Ursachen der Flüchtlingskrise und polarisiert. Die Macher mussten mit einer Facebook-Blockade kämpfen.

Mehr als drei Millionen Klicks innerhalb von wenigen Tagen: Mit einem kurzen Erklärvideo zur Flüchtlingskrise hat ein kleines Team von Informations-Designern aus München offenbar den Nerv vieler Nutzer getroffen. "Wir haben nicht nur positive Rückmeldungen bekommen", sagt der Macher Philipp Dettmer.

In sechs Minuten wollen die Mitarbeiter der Firma „In a Nutshell – Kurzgesagt“ die Ursachen der Krise in einem Animationsfilm auf den Punkt bringen: Der Zuschauer sieht anfangs eine stark vereinfachte Landkarte. Der Zoom geht auf Syrien, Zahlen ploppen auf, unterlegt sind die bunten Bilder von einem Sprecher, der die Fakten auflistet. Dieser übt in einigen Passagen auch deutliche Kritik an der Flüchtlingspolitik der EU.

„Das Video ist aus einer tiefen Frustration geboren, die sich über den ganzen Sommer angestaut hat“, sagt Firmen-Gründer Philipp Dettmer. „Alle sieben Mitarbeiter des Teams hat das Thema sehr bewegt, irgendwann stand fest: Jetzt müssen wir auch mal ran.“ Wenn Menschen im Mittelmeer ertrinken, "dann ist das nicht das Europa, in dem wir leben wollen“, sagt Dettmer.

Der Clip stellt gegenüber, dass die EU zwar Milliarden Euro in Grenzsicherung investiert, wenig jedoch in die Aufnahme von Flüchtlingen. Wörtlich sagt der Sprecher: „Die Welt hätte sich zusammenschließen und vereint agieren müssen. Stattdessen wurde sie noch mehr gespalten.“

Facebook blockiert Video

Rund sechs Stunden war der Clip auf Facebook nicht mehr erreichbar. „Das Video war blockiert, weil sehr viele Facebook-Nutzer unseren Post gemeldet hatten." Facebook habe offenbar ohne inhaltliche Prüfung aufgrund der Menge der Meldungen reagiert. Eine „deprimierende Erfahrung“, sagt der Münchner. „Auch in den Kommentarspalten bei Youtube hat es ganz schreckliche Einträge gegeben."

Die Zugriffszahlen auf die Erklärfilme sind vor allem in den vergangenen Tagen in die Höhe geschossen. Die Clips behandeln zum Beispiel auch den Irakkrieg, beantworten meist aber wissenschaftliche und weniger politische Fragen: Wie funktioniert Fracking oder etwa das menschliche Immunsystem? „Je nach Recherche fällt der Arbeitsaufwand unterschiedlich aus. Wir investieren aber schon mal drei Monate je acht Stunden allein für das Zusammentragen der Informationen“, sagt Dettmer.

Zu den Kunden für Auftragsarbeiten zählen großen Namen wie Audi und Pharmaunternehmen. „Wir haben da im deutschsprachigen Raum eine Nische besetzt.“ Mittlerweile hat der im Jahr 2013 gestartete Youtube-Kanal von „In a Nutshell – Kurzgesagt“ drei bis fünf Millionen Aufrufe im Monat.