Berlin

Oskar Lafontaine gibt zu: „Ich wollte Schröder stürzen“

Neues Buch über Ex-Kanzler wird von Merkel vorgestellt

Berlin. Ob Basta, Agenda 2010, Hartz-I bis -IV, Hiltrud und später Doris, Rebell im Amt, Lafontaines Rachefeldzug oder die Debakel-Elefantenrunde nach der Wahl im Jahr 2005: Die neue Gerhard-Schröder-Biografie von Gregor Schöllgen lässt auf 936 Seiten kaum etwas aus dem bisherigen Leben des ehemaligen SPD-Bundeskanzlers aus. So gibt Oskar Lafontaine, der frühere SPD-Chef und ewige Schröder-Konkurrent im Buch zu: „Ich wollte Schröder stürzen.“ Der spätere Vorsitzende der Linkspartei berichtet, wie er sich nach Schröders gescheiterter Wiederwahl innerlich befreit gefühlt habe. Seit jener Zeit haben die Widersacher von einst kein Wort mehr miteinander geredet.

Schöllgen bezeichnet Schröders Wirken als eine der „spektakulärsten politischen Karrieren der Bundesrepublik Deutschland“. Schröder aber blieb in seiner letzten TV-Elefantenrunde vor allem durch eine „testosterone Explosion“ in Erinnerung. In jenem Moment habe sich der Frust über die gegen ihn geführte Kampagne, wie Schröder es sah, Bahn gebrochen. Und so habe auch Schröders Schwester Gudrun gleich gewusst, als sie ihn im TV sah: „Das geht schief.“ Was dann ja auch passierte.

Bundeskanzlerin hält ihn für einen der besten Wahlkämpfer

Hätte er einen kühlen Kopf bewahrt, wäre vielleicht eine geteilte dritte Kanzlerschaft mit Merkel drin gewesen, schreibt Schöllgen. Doch bei Schröder, der sich aus kleinen Verhältnissen hochkämpfen musste, kommt der „Bürgerschreck“ durch, die Attitüde „Ihr könnt mich alle mal“. Ihr SPD-Widersacher habe eben eine „bourgeoise Attitüde“, aber keinen „klassischen bürgerlichen Kern“, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) selbst im Gespräch mit dem Biografen festhält. Respekt habe sie vor Schröder immer gehabt. Der sei einer der „besten Wahlkämpfer, die Europa gesehen hat“.

Umso interessanter ist es nun, dass die Deutsche Verlags-Anstalt ausgerechnet Angela Merkel gewinnen konnte, heute in Berlin die Biografie über ihren Vorgänger im Amt zu präsentieren.

Gregor Schöllgen ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Erlangen. Für die Biografie hatte er Zugang zu sämtlichen Papieren Gerhard Schröders und sprach mit vielen Weggefährten, Freunden und Rivalen. Zu Schröders größten Leistungen zählt der Autor, dass er außen- und sicherheitspolitisch die überfälligen Konsequenzen aus der Einheit gezogen habe.