Politik

Die Zeitbombe BER tickt

Auch das noch. Ein Baustopp am BER. Böse Zungen könnten jetzt lästern, macht ja nichts, da baute ja sowieso niemand. Aber die Lage des größten Infrastrukturprojektes Ostdeutschlands und Berlins künftigem Tor zur Welt ist leider zu ernst für Scherze. Wieder einmal stehen wir fassungslos vor dem Chaos, das in den hektischen Tagen vor der angepeilten Eröffnung 2012 angerichtet wurde und das sich auch drei Flughafenchefs später offenbar kaum gelichtet hat.

Natürlich interessiert uns, wer wann und warum Ventilatoren, die zu schwer und nicht genehmigt waren, ins Dach des Terminals eingebaut hat. Die Folgekosten dieser ungeheuerlichen Fehlleistung dürften erheblich sein, wenn die Teile tatsächlich wieder abgebaut werden müssten. Zu befürchten steht jedoch, dass angesichts der lückenhaften Baudokumentation auch eine solche Frage kaum jemals zur Zufriedenheit aller zu klären ist. Als der Aufsichtsratschef Klaus Wowereit seinerzeit darauf drängte, gefälligst den Eröffnungstermin zu halten, geschah vieles auf der Baustelle, was dem gesunden Menschenverstand und der Fachkunde spottet.

Aus heutiger Sicht brisanter ist jedoch, wie mit den Fehlleistungen der Vergangenheit seitdem umgegangen wird. Auf welcher Grundlage konnte der Regierende Bürgermeister Michael Müller im Dezember 2014 behaupten, es seien keine zu hohen Deckenlasten festgestellt worden? Hatte die Flughafengesellschaft danach gesucht und die nun festgestellten Überschreitungen nicht gefunden? Oder hat sie gar nicht geprüft, es dem Aufsichtsrat gegenüber aber so dargestellt? Man darf sich aussuchen, was schlimmer ist.

Noch dürfen wir uns an die Hoffnung klammern, dass alles noch geheilt wird, dass die Decken stark genug sind und der Umbau des Entrauchungsmonsters doch ohne Verzögerungen vonstatten geht. Aber das glaubt inzwischen wohl kaum noch jemand.

Für Müller wird das Klima rauer. Ein Jahr vor der Wahl wird er erstmals persönlich für BER-Chaos, Baupfusch und Kommunikationspannen verantwortlich gemacht. Die Flughafen-Zeitbombe hat das Zeug, Politikerkarrieren in Schutt und Asche zu legen. Seite 16