Politik

Kurswechsel mit Weise

Respekt! Mitten in der Flüchtlingskrise hat die Bundesregierung wenigstens ein entscheidendes Personalproblem gut gelöst: Den neuen Mann an der Spitze des obersten Flüchtlingsamts hat sie nicht nur überraschend schnell präsentiert – mit Frank-Jürgen Weise, dem Chef der Bundesagentur für Arbeit, hat die Regierung auch eine überzeugende Wahl getroffen. Dass der bewährte Manager nun beide Behörden leitet, ist ein überfälliger Richtungswechsel in der Flüchtlingspolitik. Und ein Eingeständnis bisheriger Versäumnisse.

Denn so vordringlich die Unterbringung der Asylbewerber aktuell noch ist – die eigentliche Herausforderung wird die Integration in den Arbeitsmarkt. Da haben sich Wirtschaft und Politik zu lange Illusionen gemacht. Zum Flüchtlingssommermärchen gehörte das Versprechen, in Deutschland suchten jetzt vorwiegend gut qualifizierte, schnell vermittelbare Menschen Zuflucht, die gern helfen würden, die Fachkräftelücke zu schließen.

Erst langsam reift die Erkenntnis, dass die Mehrheit der Asylbewerber kurzfristig kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat, sondern mindestens vorübergehend auf Sozialleistungen angewiesen sein wird. Es mangelt nicht nur an Deutschkenntnissen, sondern oft an Berufsqualifikationen, mitunter fehlt auch jede Schulbildung.

Das ist kein Grund für Schwarzmalerei. Viele Flüchtlinge sind ja hoch motiviert. Und jung genug, um Ausbildungslücken noch zu schließen. Aber es wird höchste Zeit, dass die Politik mit mehr Realismus die Aufgabe angeht. Qualifikation und Vermittlung der Asylbewerber müssen viel früher und umfassender einsetzen. Arbeitsagentur und Flüchtlingsamt sollten da eng zusammenarbeiten. Weise ist der richtige Mann, um die Behörden zu verzahnen. Es werden Milliarden in Sprach- und Bildungsprogramme investiert werden müssen, ohne die einheimischen Arbeitslosen zu vergessen.

Noch scheut sich die Politik, die Kosten zu benennen. Eine Alternative aber gibt es nicht: Nur wenn die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, werden aus Flüchtlingen Steuerzahler – und die Zuwanderung ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft.