Rotterdam

Wieder Alarm in Thalys-Zug nach Paris

Hauptbahnhof in Rotterdam war stundenlang gesperrt

Rotterdam.  Nur knapp vier Wochen nach dem vereitelten Terroranschlag in dem internationalen Schnellzug Thalys in Belgien ist am Freitag am Rotterdamer Hauptbahnhof Terroralarm ausgelöst worden. Spezialeinheiten der niederländischen Polizei überwältigten einen jungen Mann, der sich zuvor stundenlang in der Toilette eines Thalys verschanzt hatte. Verletzt wurde niemand.

Der Mann leistete nach Angaben der Polizei keinen Widerstand und war nach ersten Ermittlungen unbewaffnet. Augenzeugen hatten zunächst gesagt, dass er bewaffnet war. Die Identität des Mannes und auch seine Motive waren zunächst unklar. „Es kann auch um einen geistig verwirrten Mann gehen oder einen Schwarzfahrer“, sagte die Sprecherin der Polizei, Patricia Wessels. „Doch wir konnten kein Risiko eingehen.“

Am 22. August hatten Passagiere ebenfalls in einem Thalys von Brüssel nach Paris einen bewaffneten Mann überwältigt und einen Terroranschlag verhindert. Damals waren einige Menschen verletzt worden. Der mutmaßliche Täter hatte sich auch erst im Zug-WC eingeschlossen.

In Rotterdam war am frühen Morgen Großalarm ausgelöst worden. Der Thalys sollte um 6.58 Uhr von Rotterdam nach Paris starten. Kurz vor der Abfahrt rannte ein junger, schwarz gekleideter Mann mit einem Rucksack zum Zug und stieg ein, berichteten Augenzeugen. Kurz darauf schloss er sich in die Zug­toi­lette ein. Der Schaffner soll versucht haben, Kontakt mit dem Mann aufzunehmen. Als das nicht gelang, wurde die Polizei eingeschaltet. Die rund 300 Passagiere wurden dringend aufgefordert, den Zug zu verlassen. Danach sperrte die Polizei Teile des Bahnhofs. Vermummte Polizisten mit Maschinengewehren umzingelten den Zug. Sprengstoffexperten mit Hunden rückten an.

Der Betreiber des Thalys gab im Kurznachrichtendienst Twitter schnell Entwarnung: „Sicherheitskräfte haben alles unter Kontrolle. Alle Passagiere in Sicherheit.“ Der Zugverkehr von und nach Rotterdam war stundenlang unterbrochen. Ein Unterhändler der Polizei hatte versucht, den Verdächtigen freiwillig zum Verlassen des Zuges zu bewegen. Das gelang nicht. Daher entschlossen sich die Sicherheitskräfte zum Eingreifen. Der Mann wurde nach dem Einsatz mit einem Krankenwagen weggebracht. Der Zugbetreiber erklärte, das Personal solle besser für den Umgang mit Krisen- und Gefahrensituationen geschult werden.