Wahlkampf

Eine Frau bremst Donald Trump im Fernsehduell aus

Beim Schaulaufen der Republikaner lässt Carly Fiorina Donald Trump alt aussehen. Bizarrer Auftritt des Präsidentschaftskandidaten.

Carly Fiorina war dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump haushoch überlegen, sagen US-Medien.

Carly Fiorina war dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump haushoch überlegen, sagen US-Medien.

Foto: David Maxwell / dpa

Washington.  Mit der aufpolierten „Airforce One“ im Rücken, in der einst Präsident Ronald Reagan um die Welt gereist war, wollte Donald Trump in der zweiten Fernsehdebatte seinen Höhenflug im republikanischen Schönheitswettbewerb um die Kandidatur für das Weiße Haus 2016 fortsetzen. Mehr als einmal kam der exzentrische Bauunternehmer am Mittwochabend (Ortszeit) dabei vom Kurs ab. Die Bruchlandung, die das Partei-Establishment herbeisehnte, blieb allerdings aus, auch wenn das Gros der übrigen zehn Kandidaten den 69-Jährigen immer wieder in die Mangel nahm. Gleichwohl brachte vor allem ihn eine Frau in schwere Turbulenzen.

Carly Fiorina, einst Chefin des Computerherstellers Hewlett Packard, gilt nach Ansicht vieler US-Medien als Siegerin des Abends. Mit prägnanten, von einstudierten Zahlen gesättigten Antworten, unterkühlten Breitseiten und permanenten Zwischenrufen ließ die 61-Jährige den zuletzt vor allem mit rabaukenhaften Machosprüchen angeeckten Milliardär streckenweise als blinden Passagier erscheinen.

Fiorina lässt Machosprüche Trumps unkommentiert

Schlüsselmoment: Trump hatte Fiorina kürzlich in einem Interview wegen ihrer äußeren Erscheinung als unwählbar abgekanzelt. Danach von Chefmoderator Jake Tapper befragt, ließ Fiorina die Verbalinjurie Trumps gekonnt unkommentiert. Trump drehte in einem peinlichen Akt der Selbstverleugnung fix bei und flötete, Fiorina habe ein „wunderschönes Gesicht“ und sei eine „wunderschöne Frau“. Ab diesem Moment war ihm die Beißhemmung anzusehen. Noch liegen keine Umfragen vor, die das laut CNN von 25 Millionen Zuschauern verfolgte Spektakel gewichten. Aber die meisten Analysten gehen davon aus, dass Trumps Momentum (zuletzt 33 Prozent Zustimmung) zumindest gebremst worden ist.

Bei Themen, die sich außerhalb der USA abspielen, konnte Trump seine Unbedarftheit nicht verbergen. Wo vor allem seine Rivalen Marco Rubio, John Kasich und auch Jeb Bush internationale Expertise und Augenmaß verrieten, suchte Trump sein Heil in Allgemeinplätzen: „Ich werde mit Wladimir Putin schon klarkommen.“ Und: „Ich werde dann mehr über die Probleme der Welt wissen, wenn ich im Amt bin.“

Drei quälend lange Stunden

Der Sender CNN, der den von teuren Werbespots unterbrochenen Politzirkus in die Reagan-Bibliothek im kalifornischen Simi Valley verlegt hatte, musste sich den Vorwurf gefallen lassen, Publikum wie Kombattanten unnötig erschöpft und verwirrt zu haben. Drei quälend lange Stunden politisches Themenhopping, ständiges Unterbrechen, peinliche Ich-bin-toller-als-Du-Nabelschau – und kein einziges Thema auch nur annähernd so angerissen, dass der Wähler besser im Bilde wäre.

Vielleicht ist so zu erklären, warum der hölzerne Kandidat Jeb Bush auf die Frage, welche Frau er gern auf die Zehn-Dollar-Note gedruckt sehen möchte, zur allgemeinen Verblüffung entgegnete: die britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. Nächster Halt auf der republikanischen TV-Roadshow: 13. Oktober in Nevada.