Athen

Vorsprung von Linksbündnis Syriza schrumpft

In Griechenland zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab

Athen. Wer gewinnt am kommenden Sonntag die Parlamentswahl in Griechenland? Darauf haben die Meinungsforscher auch sechs Tage vor dem Urnengang noch keine Antwort. Selten war das Rennen vor einer Wahl in Hellas so offen. Beide großen Parteien – das Linksbündnis Syriza, das Griechenland in den vergangenen sieben Monaten regierte – und die konservative Nea Dimokratia (ND) geben sich siegessicher.

Auf den Gewinner der Wahl dürften schwierige Koalitionsverhandlungen zukommen. Viel Zeit bleibt dafür nicht: Damit weitere Hilfsgelder aus dem neuen Rettungspaket fließen, muss Griechenland jetzt schnell weitere Reformen umsetzen.

Nachdem Syriza mit Alexis Tsipras noch im Juli in den Umfragen um bis zu 20 Prozentpunkte vor der konservativen Opposition gelegen hatte, registrieren die Meinungsforscher seit etwa drei Wochen einen dramatischen Stimmungsumschwung: Beide große Parteien liegen fast gleichauf. Dieser Trend bestätigte sich auch am Wochenende. In vier von fünf Umfragen ist der Vorsprung von Syriza auf 0,3 bis 0,7 Prozent geschrumpft, was innerhalb der Fehlertoleranz liegt. In einer Umfrage des angesehenen Instituts Public Issue kommen beide Parteien auf 31 Prozent Stimmenanteil.

Kleinere Parteien bekommeneine Schlüsselrolle

Die deutlichen Stimmenverluste für Syriza in den Umfragen dürften vor allem ein Ergebnis der parteiinternen Querelen sein. Wegen des Streits um das neue Sparprogramm hat sich der linksextreme Syriza-Flügel kürzlich abgespalten. Die Abweichler treten bei den Wahlen als „Volkseinheit“ an, die in den Umfragen bei drei bis vier Prozent liegt. Viele Wähler sind enttäuscht, weil Tsipras bisher fast keine seiner Wahlversprechen umgesetzt hat.

Nach den neuesten Prognosen könnte weder Syriza-Chef Tsipras noch der ND-Vorsitzende Vangelis Meimarakis am Sonntag mit einer absoluten Mehrheit der Sitze rechnen. Meimarakis hat sich im Wahlkampf für die Bildung einer großen Koalition ausgesprochen, um die schweren Probleme des Krisenlandes gemeinsam zu lösen. Tsipras lehnt aber bisher ein Regierungsbündnis mit den Konservativen strikt ab.

Damit könnten kleinere Parteien wie die proeuropäischen Gruppierungen Pasok und To Potami bei den Koalitionsverhandlungen eine Schlüsselrolle bekommen. Eine Regierungsbildung gegen die stärkste Partei ist kaum möglich, da das griechische Wahlrecht den Sieger mit einem Bonus von 50 der 300 Mandate belohnt und einige Splitterparteien, wie etwa die poststalinistischen Kommunisten und die Neofaschisten, als nicht koalitionsfähig gelten. Vor dem Hintergrund des Kopf-an-Kopf-Rennens erwartet man nun in Griechenland mit Spannung das TV-Duell, zu dem Tsipras und Meimarakis am heutigen Montagabend antreten.