Wiesbaden

Straftaten im Internet bleiben meist ungesühnt

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Dietmar Seher

BKA: Die Aufklärungsquote sinkt auf 25 Prozent

Wiesbaden.  Den Sicherheitsbehörden fällt es zunehmend schwer, Internetstraftaten zu ahnden. Die Aufklärungsquote ist in den letzten Jahren von 37 auf 25 Prozent eingebrochen, bestätigt das Bundeskriminalamt (BKA). BKA-Vizepräsident Peter Henzler: „Wir stoßen an unsere Grenzen. Schwere Straftaten können nicht mehr immer verfolgt werden.“ Ein Grund sei die fehlende Möglichkeit, Internetverbindungen über Vorratsdatenspeicherung zu verfolgen, beklagt das BKA.

Dabei betrachten Computerkriminelle Deutschland mittlerweile als Angriffsziel Nummer eins auf der Welt – vor den Niederlanden, den USA und Norwegen. Jährlich richten sie in der deutschen Wirtschaft Schäden von 40 bis 50 Milliarden Euro an. Deutsche Sicherheitsbehörden nennen diese Zahlen – und bestätigen mit diesen Angaben Berechnungen des Center for Strategic und International Studies (CSIS), wonach die Verluste bei 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.

„Es hat sich eine kriminelle Marktwirtschaft etabliert“, warnt BKA-Abteilungsleiter Carsten Meywirth. Sie würde Privatpersonen und Wirtschaft durch Betrug, Datendiebstahl und Erpressung ausnehmen und regen Handel treiben mit Drogen, Waffen und Kinderpornos. Meywirth sagt: „Die Internetkriminalität ist ein Massenphänomen. Jeder Bürger ist ein Angriffsziel.“

BKA appelliert an Unternehmen: Cyber-Kriminalität ernst nehmen

Die neuesten Trends: Kriminelle versuchen zunehmend Daten aus dem mobilen Netz zu fischen. Dabei wird das Onlinebanking über Smartphones und Tablets zum Angriffsziel. Das Abgreifen von Bankdaten hat nach Daten der Polizei ohnehin einen Höhepunkt erreicht. 2014 wurden 6984 Fälle registriert – 70 Prozent mehr als noch 2013.

Andere neue Maschen: Im Netz werden „Geisterkonten“ mit erfundenen Kontoinhabernamen angeboten, über die illegale Geschäfte betrieben werden. Kriminelle können auch schon für 500 Dollar elektronisches Werkzeug (Tools) kaufen, mit dem sie in der Lage sind, massenweise Internetbankkonten zu knacken oder Wirtschaftsunternehmen zu erpressen. Dabei dringen Kriminelle unter anderem in Produktionssysteme ein und fordern Geld für das Unterlassen von Störungen.

Eine große Sorge des BKA: Die Deutschen nehmen die Internetkriminalität nicht ernst genug. Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesinnenministerium rügen Privathaushalte und vor allem die großen Wirtschaftsunternehmen: Beim Schutz ihrer Computersysteme vor Hackern ist bei ihnen eine unverantwortliche Nachlässigkeit eingerissen. Es sei „erschreckend“, wie wenig konkrete Maßnahmen ergriffen würden, um Cyberkriminelle abzuwehren.

BKA-Vizepräsident Peter Henzler spitzte die Kritik an die Adresse der Chefetagen der Konzerne zu: „Nur neun Prozent der entdeckten Cyberangriffe werden angezeigt.“ Die Sicherheitsbehörden stünden vor einem riesigen Dunkelfeld. Er forderte die Manager auf, die Scheu vor einer Kontaktaufnahme zu Polizei und Staatsanwaltschaft aufzugeben. Henzler: „Das Zusammenspiel muss verbessert werden.“

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