Kommentar

Warum jetzt ein sozialer Wohnungsbau dringend nötig ist

| Lesedauer: 2 Minuten
Joachim Fahrun
"Wohnungen zu vermieten" steht groß an einem Mietshaus. Es sind wohl einfache Wohnungen. Um sie werden sich viele bemühen – neben deutschen Geringverdienern nun auch Flüchtlinge

"Wohnungen zu vermieten" steht groß an einem Mietshaus. Es sind wohl einfache Wohnungen. Um sie werden sich viele bemühen – neben deutschen Geringverdienern nun auch Flüchtlinge

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Für die Flüchtlinge werden Wohnungen gebracht. Das verschärft die Situation auf dem Berliner Markt, meint Joachim Fahrun.

Wenn die Zeltstädte irgendwann geräumt sind und die Notunterkünfte sich leeren, wenn also die aktuelle Notlage durch den lange unterschätzten Massenansturm der Flüchtlinge nach Deutschland überwunden sein wird, dann hat die wahre Herausforderung noch kaum begonnen.

Denn vorsichtig geschätzt werden etwa die Hälfte der jetzt aufgenommenen Menschen dauerhaft oder zumindest ziemlich lange bei uns bleiben. Und die meisten dieser Schar von mehreren 100.000 Menschen werden kaum zu den Wohlhabenden im Lande zählen, selbst wenn sie schnell die Sprache lernen und einen Job finden.

Konkurrenz zu den Tausenden bereits Suchenden

In Berlin reden wir von 30.000 bis 40.000, allein aus diesem Jahr, wenn die Prognosen sich bewahrheiten. Sie werden sich Wohnungen suchen, die günstig sind. Und dabei werden sie unweigerlich auf Konkurrenz treffen: Nämlich auf die vielen Zehntausend, die schon jetzt äußerste Schwierigkeiten haben, in Berlin eine Bleibe zu finden. Es wird also das ökonomisch und sozial gesehen untere Drittel der Bevölkerung sein, die direkt mit den Neuankömmlingen um Wohnraum konkurrieren.

Diese Konstellation birgt Brisanz. Solange Flüchtlinge in Turnhallen, Zelten oder Massenquartieren leben, kann niemand sagen, sie nähmen „uns“ etwas weg. Aber wenn es ins reale Leben geht, wird es ernst. Dann kann die verständnisvolle Willkommensstimmung umschlagen. Das würde übrigens auch schon vorher drohen, wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade so gut wäre und in Berlin massenhaft neue Jobs entstünden.

Mehr Geld ist nötig für den sozialen Wohnungsbau

Für die Politik in Bund und Land ist es daher die wichtigste Aufgabe, günstige Wohnungen für die vielen Menschen bereitzustellen, die eben nicht acht oder zehn Euro pro Quadratmeter Miete zahlen können. Dazu muss mehr Geld in den sozialen Wohnungsbau fließen.

Architekten und Bauunternehmer müssen Wege finden, auf intelligente Weise billiger zu bauen. Und die Parlamente und Verwaltungen werden die hohen Standards senken müssen, die in Deutschland das Bauen so teuer machen. Es muss gelingen, auch armen Leuten Wohnraum anzubieten. Sonst ist der Frieden in der Stadt gefährdet.

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