Berlin

Die Teilung der Stadt

| Lesedauer: 3 Minuten
Joachim Fahrun

Eine Minderheit lehnt Flüchtlinge ab. Sie lebt vornehmlich in den östlichen Bezirken

Berlin. Den Flüchtlingen schlägt in Berlin so wie in fast ganz Deutschland eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegen. Aber längst nicht alle Bürger sind den Neuankömmlingen gegenüber so positiv eingestellt wie die Mehrheit der Bevölkerung. In Berlin zeigt sich etwa ein Viertel der Wahlberechtigten Ausländern, Migranten und Flüchtlingen gegenüber skeptisch bis feindselig. Das sind in der Stadt rund 620.000 Menschen, wie das Meinungsforschungsinstitut Info GmbH in einer Studie über die Toleranz der Berliner ermittelt hat. Dazu wurden 1400 Personen mit deutschen Pass, die 2016 wahlberechtigt sein werden, am Telefon befragt.

Wer sind diese Menschen, die zwar keine „schweigende Mehrheit“ bilden, aber doch eine signifikante Minderheit? Sie sind im Durchschnitt etwas älter als die Gesamtbevölkerung. Aber auch unter den ganz Jungen zwischen 17 und 29 Jahren ist die Ablehnung weiter verbreitet als in der gesamten Bevölkerung. Ihre Schulbildung ist schlechter. Nur jeder fünfte hat Abitur, das sind nur halb so viele wie im Berliner Durchschnitt. Sie haben genauso häufig einen Job wie die Gesamtbevölkerung, aber sie verdienen weniger. Überdurchschnittlich stark vertreten sind die Ausländerfeinde oder -skeptiker in den Ostbezirken Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg.

Sieben Prozent der Befragten würden aktiv gegen ein Flüchtlingsheim in ihrer Nähe vorgehen. In Treptow-Köpenick liegt dieser Anteil doppelt so hoch. In Charlottenburg-Wilmersdorf sagten das nur zwei von 100 Bürgern.

Das Info-Institut hat auch einen Wert ermittelt, den Info-Chef Holger Liljeberg als eine Art zustimmender Akzeptanz für Aktionen gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte ausgemacht hat. Jede Frage konnte auf einer Skala von null bis zehn beantwortet werden. Dabei haben 23 Prozent auf die Frage, ob man aktiv etwas gegen Flüchtlinge tun würde, eben nicht komplette Ablehnung geäußert, also Null angegeben. Ein gewisses Verständnis für aktives Handeln gegen Flüchtlinge haben demnach 23 Prozent geäußert.

Auffällig ist, dass die Vorbehalte gegen Migranten dort am größten sind, wo wenig Menschen mit ausländischen Wurzeln leben. Auch sind solche Menschen besonders kritisch eingestellt, die wenige oder gar keine Kontakte zu Ausländern haben.

Eine gewisse Verunsicherung zum Thema Flüchtlinge lässt sich aber auch in der Mehrheitsgesellschaft beobachten, die nicht negativ gegenüber Ausländern eingestellt ist. So lehnt nur jeder zweite die These ab, dass Flüchtlinge nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen und in ihrer Heimat nicht in Gefahr waren. Ein Viertel bejaht diese Aussage, aber ein Viertel ist eben auch unsicher hinsichtlich der Fluchtgründe und kann sich kein Urteil erlauben.

Ähnlich ist das Bild vom Islam und von den Erfolgen der Integrationspolitik. Nur jeder Dritte glaubt, dass der Islam eine friedfertige Religion ist, die nicht zur Gewalt neigt. Und nur 28 Prozent sind der Meinung, die Integration von Ausländern sei in Berlin erfolgreich.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos