Berlin

Syrien vor der entscheidenden Schlacht

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Backfisch

Berlin. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist in Syrien und dem Irak auf dem Vormarsch. Mehr als zwei Drittel der beiden Länder befinden sich bereits unter ihrer Kontrolle. Der Druck auf die internationale Gemeinschaft nimmt zu. Das französische Militär startet Aufklärungsflüge über Syrien. Auch Luftangriffe auf IS-Stellungen in dem Bürgerkriegsland würden erwogen, sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Montag. Welche Strategie verfolgen die Staaten, die in Syrien eingreifen?

Russland

Russland ist zusammen mit dem Iran einer der letzten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Russland will seine geopolitische Rolle im Nahen Osten nicht aufgeben. Offiziell sagt Kremlchef Wladimir Putin zwar, es sei verfrüht, über eine Entsendung von russischem Militär in Kampfeinsätze nach Syrien zu sprechen. Die Zeitung „New York Times“ berichtet allerdings, dass Russland Unterkünfte und eine Kontrollstation für einen Stützpunkt in der Provinz Latakia auf den Weg gebracht habe. Dies könnte darauf hindeuten, dass es um die Kampfkraft der Assad-Truppen, die sich rund um Damaskus verschanzt haben, schlecht bestellt ist.

USA

Angesichts der Signale aus Russland, sich militärisch in Syrien mehr zu engagieren, sind die Amerikaner alarmiert. US-Außenminister John Kerry warnte Moskau vor einer „Konfrontation“ mit der internationalen Koalition. Lange Zeit verhielt sich US-Präsident Barack Obama im Syrien-Konflikt passiv. Die Amerikaner trainierten gemäßigte Rebelleneinheiten, die gegen Assad kämpften. Diese sind allerdings den hochgerüsteten Verbänden des IS hoffnungslos unterlegen. Nach außen fordert Washington weiterhin den Sturz des Diktators. Intern wachsen jedoch die Zweifel, ob der Sturz Assads nicht zu einem Triumph für den IS wird. Obama hofft, dass der Atom-Deal mit dem Iran politische Früchte trägt.

Frankreich

Aus Sorge vor neuen Terroranschlägen erwägt Frankreich seit gestern Luftschläge gegen IS-Stellungen in Syrien. Nach Erkenntnissen des französischen Geheimdienstes wurden die meisten Attentate und Attentatsversuche, die Frankreich seit Beginn des Jahres erschüttert haben, von Islamisten auf syrischem Territorium vorbereitet und gesteuert.

Großbritannien

Auch Großbritannien verschärft seinen Kurs gegen den IS. Bei ihrem ersten Luftangriff in Syrien tötete die britische Luftwaffe zwei Briten, von denen einer ein mutmaßlicher IS-Kämpfer war, sagte Premierminister David Cameron gestern im Unterhaus. Cameron will das Parlament Anfang Oktober über einen Einsatz gegen den IS wie auch gegen die Truppen Assads abstimmen lassen.

Saudi-Arabien

Der Syrien-Konflikt wird von der Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran überschattet. Die Saudis begreifen sich als Regionalmacht Nummer eins am Persischen Golf. Sie sehen ihre Stellung als enger Verbündeter der USA durch die Annäherung zwischen Washington und Teheran untergraben. Die machtpolitische Spannung wird durch religiöse Trennlinien verschärft. Den sunnitischen Saudis ist die schiitische Achse zwischen dem Iran und der syrischen Führungselite ein Dorn im Auge. Saudi-Arabien will Assad aus dem Amt hieven, um den Iran zu schwächen.

Iran

Der Iran ist zusammen mit Russland der treueste Allianzpartner Assads. Syrische Truppen werden sowohl durch iranische Revolutionsgardisten als auch schiitische Milizen unterstützt. Der militärische Vormarsch der Islamisten hat zu einer Interessenkoalition zwischen Teheran und Washington geführt. Allerdings sind die Mullahs bislang nicht von Assad abgerückt.

Türkei

Die Türkei hat eine Kehrtwende vollzogen: Im Juli hatte der IS einen Anschlag in Suruç verübt, bei dem mehr als 30 Menschen getötet wurden. Seitdem startet Ankara Angriffe auf die Terrormilizen. Zuvor hatte sich das türkische Militär bestenfalls halbherzig gegenüber den Dschihadisten verhalten. Die Türkei will die Abdankung Assads. Das Land sieht sich als der größte Leidtragende der Flüchtlingskrise.

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