Peking

Chinas Regierung lässt die Muskeln spielen

| Lesedauer: 3 Minuten
Felix Lee

Bei der Militärparade zum Ende des Zweiten Weltkrieges präsentiert Peking sein Waffenarsenal

Peking.  Bis ins kleinste Detail choreographiert ziehen rund 12.000 Soldatinnen und Soldaten am Platz des Himmlischen Friedens in Pekings Innenstadt vorbei: In Blöcken formiert, allesamt in Reih und Glied und natürlich im Gleichschritt.

Selbst das Wetter spielt mit. An den Tagen zuvor war der Himmel noch die meiste Zeit bewölkt und es regnete. Seit dem Vortag aber ist er strahlend blau. Und auch Pekings normalerweise von Smog geplagte Luft riecht an diesem Morgen frisch und sauber. Seit Wochen sind im gesamten Umland die Fabriken geschlossen, in weiten Teilen der Stadt herrscht Fahrverbot. Nichts soll die große Militärparade zum Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren trüben.

Die Erfahrung vom Krieg sorge dafür, dass die Menschen Frieden noch mehr zu schätzen wüssten, sagt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei seiner Auftaktrede zu Beginn der Parade. Und er versichert: „China wird niemals die Tragödien zufügen, die es selbst erlitten hat.“ Sein Land werde auch nie eine Hegemonie anstreben. Die Parade bezeichnet er als „ein Zeichen des Friedens“.

Was die Anwesenden auf der Tribüne anschließend zu sehen bekommen, sieht jedoch alles andere als friedfertig aus. Zwar kündigt Präsident Xi in derselben Rede an, innerhalb der nächsten zwei Jahre die Volksbefreiungsarmee von 2,3 Millionen Soldatinnen und Soldaten um 300.000 verkleinern zu wollen. Sie bleibt jedoch die größte Armee der Welt. Sie soll kleiner und schlagkräftiger werden. Und das will sie auch an diesem Morgen demonstrieren.

Hunderte von Panzern fahren auf den Platz des Himmlischen Friedens zu – was bei vielen Chinesen düstere Erinnerungen an die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung vor 26 Jahren wecken dürfte.

Interkontinentalrakete kann selbst Ziele in Florida treffen

Am Himmel fegen Dutzende von Düsenjägern über Pekings Innenstadt hinweg. Helikopter formieren in der Luft die Zahl 70. „Offiziell sollen die Feierlichkeiten dem Frieden gewidmet sein, tatsächlich aber demonstriert die Parade Chinas Aufstieg“, kritisiert Qiao Mu, Politologe an der Peking Universität für Auslandsstudien.

Die sicherlich auffälligste Waffe auf der Parade ist eine rund 30 Meter lange und drei Meter dicke Interkontinentalrakete mit der Bezeichnung DF-5B. Sie kann selbst Ziele im fernen Florida erreichen und damit fast alle Teile der Welt. Auf dem Höhepunkt ihrer Flugbahn teilt sie sich in drei Einzelraketen, die in mehrfacher Schallgeschwindigkeit ihre Ziele ansteuern. Und weil sie so schnell sind, kann die gegnerische Flugabwehr sie nur schwer erkennen. Jede Einzelrakete ist nuklear bestückbar.

Ebenfalls auf der Parade zeigte Chinas Armee eine DF vom Typ 21. Seit Jahren rätseln die USA, wie weit China bei der Entwicklung dieser ballistischen Superwaffe ist. Sie soll eine Geschwindigkeit von 12.000 Stundenkilometern haben und selbst Ziele in 1.500 Kilometern Entfernung punktgenau treffen können. Das würde reichen, um Flugzeugträger der USA abzuschießen, die etwa Taiwan oder Japan beschützen wollen. Weil sie zugleich sich bewegende Ziele wie Kriegsschiffe oder Flugzeugträger ansteuern kann, trägt sie auch den Spitznamen „Flugzeugträger-Killer“. Über 500 Militärfahrzeuge hat die Volksbefreiungsarmee nach Angaben des Staatsfernsehens auf der Parade gezeigt. Vier Fünftel aller gezeigten Waffen seien noch nie der Öffentlichkeit vorgeführt worden, hatte ein Militärsprecher zuvor verkündet.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos