Berlin

„So ein Bild trifft direkt ins Herz und unsere Psyche“

| Lesedauer: 2 Minuten

Das Foto eines toten Flüchtlingskindes an einem türkischen Strand löst eine weltweite Debatte aus

Berlin.  Was löst der Anblick des herzzerreißenden Fotos im Kopf aus? Antworten zu der weltweiten Debatte:

Warum löst gerade dieses eine Foto eine solche Bestürzung aus?

„So ein Bild trifft direkt ins Herz und direkt in unsere Psyche“, sagt der Psychologe Michael Thiel. „Das sagt viel mehr über das Elend von Flüchtlingen aus als jedes Gefasel von Politikern und anderen Leuten. Es macht deutlich: Es sind nicht nur irgendwelche abstrakten Flüchtlingskrisen.“ Ein unschuldiges kleines Kind habe aufgrund der Zustände sterben müssen. „Und das ist etwas, was keinen Menschen kaltlässt.“ Das Bild habe Symbolkraft, „weil es auf der einen Seite so spektakulär, so schlimm und so traurig“ sei und auf der anderen Seite es wirke, als ob „ein schlafendes Kind angespült worden ist“.

Was geht im Kopf des Betrachters vor?

„Wir Menschen sind in der Regel dazu fähig, mit so einem Bild eine ganze Szenerie im Kopf entstehen zu lassen“, sagt Psychologe Michael Thiel. Sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn seien in der Lage, beim Anblick einer solchen Szene ein ganzes „Gefühlskaleidoskop“ auszulösen. „Eine Mischung aus Trauer, aus Wut, aus Bestürzung, aus all diesen Gefühlen, die mit so einer Flüchtlingskrise verbunden sind. Und wahrscheinlich überlegt auch jeder von uns: Wie kommt das Kind dazu, an diesem Strand tot zu liegen? Was ist dem vorangegangen?“

Was sagen Ethik-Experten?

„Ich glaube, man kann das Bild zeigen“, sagt der Medienethiker Prof. Alexander Filipović. „Es wäre mir zu schnell gesagt, dass man es aus ethischer Perspektive auf keinen Fall bringen könne. Denn das Bild zeigt doch in, glaube ich, bisher einzigartiger Weise die Dramatik der Flüchtlingskrise und die Unmenschlichkeit, die damit verbunden ist. Die Realität ist komplex.“

( dpa )

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