Suwara

Helfer bergen in Libyen Leichen von Flüchtlingen aus dem Wasser

| Lesedauer: 3 Minuten

Schiff mit 200 Menschen vor Hafenstadt Suwara gesunken

Suwara. Bei einer neuen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind nach Angaben der libyschen Küstenwache mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Leichen seien am Morgen an Land gespült und geborgen worden, erklärte ein Sprecher der Küstenwache am Freitag. Unter den Opfern seien auch Kinder. Die Küstenwache versuche, die endgültige Zahl der Toten festzustellen.

Vor der Küste der libyschen Stadt Suwara im Nordwesten des Landes waren nach Medienberichten zuvor zwei Flüchtlingsschiffe gekentert. Der britische Sender BBC zeigte am frühen Freitagmorgen Fernsehbilder von zahlreichen Leichensäcken. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR meldete, die Küstenwache habe zehn Kilometer vor dem Hafen von Suwara zwei Rettungseinsätze gestartet. An Bord der Schiffe seien rund 500 Menschen gewesen. Überlebende wurden demnach an Land gebracht. Ein Aktivist des Suwara-Medienzentrums erklärte, 190 Menschen seien gerettet worden. Eine UNHCR-Sprecherin in Libyen sagte, es gebe sehr unterschiedliche Opferzahlen, die zunächst nicht verifiziert werden konnten. Bei den Toten soll es sich vor allem um Afrikaner und Syrer handeln.

Die libyschen Kräfte hatten große Probleme, die Opfer zu retten und die Toten zu bergen. Eine Mitarbeiterin des libyschen Roten Halbmonds sagte, man tue alles, um die Flüchtlinge zu retten, habe aber nur wenig Kapazitäten dafür.

Dem UNHCR zufolge sind in diesem Jahr bereits mehr als 300.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflohen. 200.000 davon seien in Griechenland gelandet, 110.000 in Italien. Das sei ein starker Anstieg im Vergleich zu 2014, als im gesamten Jahr 219.000 Menschen flohen. Immer wieder kommt es auf dem Mittelmeer zu schweren Unglücken, weil Boote kentern. Dieses Jahr kamen laut UNHCR etwa 2500 Menschen ums Leben oder werden vermisst. In den vergangenen Tagen waren auf dem Mittelmeer insgesamt etwa 100 Menschen in Laderäumen von Schiffen vermutlich erstickt.

„Ein unwürdiges Spiel“

Im Streit über die Verteilung von Flüchtlingen hat der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), unterdessen zahlreichen EU-Ländern ein „unwürdiges Spiel“ und „Versagen“ vorgeworfen. Schulz sagte der Berliner Morgenpost: „Wir haben es nicht mit einem Versagen der EU zu tun, sondern mit einem eklatanten Versagen einiger Regierungen, die sich aus der Verantwortung stehlen, indem sie eine gemeinsame europäische Lösung verhindern.“ Schulz forderte die betreffenden Staaten auf, mehr Migranten aufzunehmen: „Die Regierungen einiger Mitgliedsstaaten müssen endlich ihre Blockade beheben und dieses unwürdige Spiel beenden.“

Hintergrund: Bereits im Mai hatte die EU-Kommission ein festes Quotensystem vorgeschlagen, um Flüchtlinge in den kommenden zwei Jahren gerechter auf die Mitgliedsstaaten zu verteilen und die beiden Mittelmeerländer Italien und Griechenland zu entlasten. Mehrere osteuropäische Staaten, aber auch Großbritannien, Irland und Dänemark, verhinderten im Anschluss eine verpflichtende Quote für eine solidarische Verteilung.

( BM )

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