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Familien der „Thalys-Helden“ stolz und erleichtert

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Anthony Sadler, Alek Skarlatos und der Brite Chris Norman (von links)

Anthony Sadler, Alek Skarlatos und der Brite Chris Norman (von links)

Foto: PASCAL ROSSIGNOL / REUTERS

Drei US-Amerikaner verhindern ein Blutbad in einem Schnellzug. Ihre Verwandten sind stolz, aber auch erschüttert über die Gefahr.

Die Gefühle schwanken zwischen Stolz und riesiger Erleichterung. Die Angehörigen der mutigen Reisenden, die am Freitag einen Bewaffneten in einem Thalys-Zug auf der Fahrt von Amsterdam nach Paris überwältigt hatten, können noch gar nicht fassen, was passiert ist. Tony Sadler, dessen Sohn Anthony plötzlich zu einem Helden geworden ist, sagte, er sei zunächst fassungslos gewesen, als ihm davon berichtet worden sei. Dann sei er erleichtert gewesen, dass sein 23-jähriger Sohn nicht verletzt oder getötet worden sei.

Anthony Sadler und seine beiden Freunde aus Sacramento, der ebenfalls 23-jährige Spencer Stone und der ein Jahr jüngere Alek Skarlatos, hatten mit zwei weiteren Reisenden in dem Hochgeschwindigkeitszug einen schwer bewaffneten Mann überwältigt, der Beziehungen zu radikalen Islamisten hat. Damit verhinderten sie offenbar ein Attentat. Bei dem Angreifer handelte es sich den französischen Behörden zufolge um einen 26-jährigen Marokkaner, der nach einem Tipp spanischer Ermittler vom Februar 2014 auf die französische Überwachungsliste gesetzt worden war.

„Ich hatte angenommen, diese mehrwöchige Reise ins Ausland würde seine Sicht auf die Welt erweitern. Niemals aber hätte ich vermutet, er würde eine Erfahrung wie diese machen“, sagte Tony Sadler dem Fernsehsender KCRA. Sein Sohn, ein Highschool-Schüler der staatlichen Universität von Sacramento im vierten Jahr, habe geplant, mit seinen Hochschul-Freunden bis Ende August durch Europa zu reisen. „Er ging von hier als junger Mann auf einen Ausflug, um Erfahrungen zu sammeln und mit seinen Kumpeln Spaß zu haben. Nun kommt er als französischer Nationalheld zurück“, sagte Sadler. Vielleicht trifft er sogar den französischen Präsidenten, bevor er zurück kommt. Also, ich schüttle meinen Kopf darüber“, sagte er lachend.

Der Bewaffnete schnitt Stone mehrfach mit seinem Teppichmesser. Dessen Mutter, Joyce Eskel, sagte, ihr Sohn habe sie aus dem Krankenhaus angerufen und erzählt, der Bewaffnete habe auch versucht, ihn zwei Male zu erschießen, aber die Waffe habe nicht funktioniert. „Ich weine, weil ich meinen Sohn so leicht hätte verlieren können“, sagte sie der „San Francisco Chronicle“. Für mich war er immer ein Held. Jetzt ist er ein wirklicher Held. Er verdient es. Er setzte sein Leben aufs Spiel. Das machten sie alle, und ich bin sehr, sehr stolz auf ihn. So stolz“, sagte sie.

„Wir schlugen auf ihn ein, bis er bewusstlos war“

Anthony Sadler hatte der Nachrichtenagentur AP kurz nach dem Vorfall gesagt, er und seine Freunde hätten einen Schuss gehört und einen Zugbegleiter gesehen, der vor einem mit einem Sturmgewehr bewaffneten Mann davongelaufen sei. „Als er es spannte, um zu schießen, schrie Alek "Spencer go!" und Spencer sprintete den Gang hinunter. Spencer war als erster bei ihm, packte ihn und Alek entwand ihm das Gewehr. Der Bewaffnete zückte ein Teppichmesser und schlitzte Spencer ein paar Mal. Und wir drei schlugen auf ihn ein, bis er bewusstlos war“, berichtete Sadler.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande kündigte an, die fünf beherzten Männer im Élysée-Palast zum empfangen und ihnen die „Dankbarkeit Frankreichs“ auszusprechen. US-Präsident Barack Obama rief seine drei Landsleute an und dankte ihnen für ihren Mut. Die beiden anderen beherzten Reisenden kommen aus Großbritannien und Frankreich.


( AP )

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