Paris

Rechtspolitiker Le Pen wehrt sich gegen Rauswurf

„Unrechtmäßig“: Gründer des Front National will klagen

Paris.  Der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen wehrt sich erbittert gegen den Rauswurf aus der von ihm gegründeten Partei Front National (FN). „Ich bin der Front National“, empörte er sich am Freitag im Radiosender RTL. Am Vorabend hatte das Exekutivbüro dem 87-Jährigen die Mitgliedschaft entzogen. Es ist der nächste Schritt in einem Familienkrach: Die Parteispitze um seine Tochter Marine Le Pen will die Verbindung zum Ex-Vorsitzenden kappen. Mit seinen polemischen Ausfällen und der Verharmlosung von Nazigräueln war Jean-Marie Le Pen zunehmend zur Belastung für die Partei geworden, die unter Führung seiner Erbin auch bürgerliche Wähler erreichen will.

Er steht allein in der Partei

Doch der streiterprobte Polithaudegen lässt sich nicht so einfach aufs Abstellgleis schieben. Mehrfach durchkreuzte er die Pläne seiner Tochter vor Gericht, wehrte sich erfolgreich gegen die bereits im Mai verhängte Suspendierung seiner Mitgliedschaft. Dabei könnte er sich nun verspekuliert haben. Anlässlich seiner Anhörung vor dem Exekutivbüro bekannte er selbst, in der Partei weitgehend allein zu stehen, und äußerte sogar die Hoffnung auf Versöhnung. Die Partei aber blieb hart und schasste den Mann, der den FN 1972 gegründet und von einer Splittergruppe zu einer wichtigen Stimme geformt hatte.

Ausgestanden ist der Konflikt für Marine Le Pen noch nicht: Ihr Vater kündigte an zu klagen, sein Anwalt zog die Rechtmäßigkeit der Entscheidung in Zweifel. Nach Einschätzungs des französischen Politologen Jean-Yves Camus hat Marine Le Pen eine bewusste Entscheidung getroffen: Sie wolle Wähler gewinnen, die von den Republikanern (ehemals UMP) enttäuscht sind, sagte er. Sie nehme dabei in Kauf, traditionelle Anhänger am rechten Rand zu verlieren. Camus betonte, der Front National habe die Wortwahl verändert. „Aber in der Sache bleibt die Ideologie die gleiche“, sagte er unter Verweis auf die Kritik an Europa oder der Einwanderung.

Im EU-Parlament spricht Jean-Marie Le Pen künftig nicht mehr für den FN. Allerdings war er auch schon bei der Gründung der Rechtsfraktion unter Führung seiner Tochter außen vor geblieben. Für die Partei ist die Familienfehde unangenehm. Der Streit steht seit Monaten im Mittelpunkt der Öffentlichkeit und wird die anstehenden Wahlen beeinflussen. Medien stellen nun die Frage, ob Jean-Marie Le Pen nach dem Rauswurf nicht seiner eigenen Partei Konkurrenz machen könnte.