Berlin/Bangkok –

„Der Tourismus in Bangkok wird um 80 Prozent einbrechen“

Mehr als 700.000 Deutsche reisen jedes Jahr nach Thailand. Experten befürchten, dass Gäste die Hauptstadt in Zukunft meiden

Berlin/Bangkok.  Der Flug von Berlin-Tegel nach Bangkok über Amsterdam geht um 15.30 Uhr. Charasrit Voravudhi kann es kaum erwarten. „Ich war geschockt und habe natürlich sofort meine Verwandten in Bangkok angerufen“, sagt Voravudhi. Zum Glück gehe es allen gut. Zwei Wochen war der Thailänder mit seiner Frau in Europa unterwegs. Dass der Urlaub so enden würde, hätten sie nicht gedacht.

Während das Paar Voravudhi nach den Anschlägen nicht schnell genug nach Bangkok zurückkommen kann, erwarten Experten einen starken Rückgang an Besuchern für Thailands Hauptstadt. „Für Bangkok ist das ein Drama, der Tourismus wird um 80 Prozent einbrechen“, schätzt Michael Walther, Geschäftsführer des Berliner Reisebüros „Albatros“, das sich auf die Vermittlung von Thailand-Reisen spezialisiert hat. Für die Stadt sei das tragisch, denn viele Urlauber würden ihren Thailand-Trip für gewöhnlich mit drei bis vier Tagen in Bangkok starten. Bleibe zu hoffen, so Walther, dass die anderen touristischen Regionen nicht in Mitleidenschaft gezogen würden.

Einige Touristen wollen einfach nur weg aus Thailand: Wendy Liu ist eben erst in ihrem Hotel angekommen, als die Bombe explodiert. Es liegt nur wenige Meter vom Schrein entfernt. „Ich wollte am Donnerstag weiterfliegen, habe aber den Flug auf Dienstagabend vorverlegt“, sagt die Touristin aus Taiwan. Für die Geschäftsleute in Bangkoks Innenstadt wiederholt sich ein Albtraum. Immer wieder trübte in den vergangenen Jahren politische Gewalt das Bild vom Urlaubsparadies. 2010 etwa besetzten Regierungsgegner wochenlang die Kreuzung Rajprasong, leere Hotels und Läden waren die Folge. Mehr als 90 Menschen starben bei Zusammenstößen mit der Armee. Auch 2013 und 2014 wurde die Kreuzung besetzt. Erst nach einem Militärputsch im Mai 2014 kehrte Ruhe ein. Diese erwies sich nun als trügerisch. „Wir fürchten das Schlimmste“, sagt Pau Bhanuband vom „Renaissance-Hotel“. „Touristen kommen nicht mehr in unsere Gegend und die Einheimischen haben zu viel Angst, um hier essen zu gehen“.

Nach einer Studie des Kreditkartenunternehmens Mastercard war Bangkok im vergangenen Jahr nach London weltweit das beliebteste Touristenziel. 16,4 Millionen Besucher seien gekommen, davon mehr als 700.000 Deutsche. Für 2015 rechnete das Unternehmen mit 18,2 Millionen Besuchern – das war aber vor dem Bombenanschlag.

Keine kostenlosen Stornierungen

Am Dienstag herrscht in den Einkaufszentren um den Tatort wieder reger Betrieb. Touristen machen Selfies mit dem Schrein im Hintergrund. So planen die großen deutschen Reiseveranstalter vorerst auch keine größeren Programmänderungen. Bei der DER Touristik wurden Gäste umgebucht, die am Dienstag in Bangkok ankommen sollten und ein Hotel rund um die Straßenkreuzung Ratchaprasong gebucht hatten. An eben dieser Kreuzung war der Anschlag geschehen. Die Reiseveranstalter sind vor allem damit beschäftigt, ihre Gäste auf den neuesten Stand zu bringen. Hierbei steht die Einschätzung des Auswärtigen Amts im Vordergrund. Dieses hatte am Montagabend seine Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand aktualisiert.

Eine Reisewarnung gab es nicht. Weitere Anschläge auch in anderen beliebten Feriengebieten könnten allerdings nicht ausgeschlossen werden, Urlauber sollten Demonstrationen und Menschenansammlungen meiden.

Kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen bieten die drei großen Veranstalter Tui, Thomas Cook und DER Touristik nicht an. Sehr viele deutsche Urlauber werden sich zur Zeit ohnehin nicht in Thailand aufhalten: Thailand ist eher ein Winterreiseziel. „Insofern ist der Anteil im Sommer deutlich geringer“, sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband. Aktuell herrscht in weiten Teilen des Landes Regenzeit.

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