Bangkok –

Seit zehn Jahren Kampf zwischen politischen Lagern

Bangkok.  Thailand lebt von seinem Image als Tropenparadies, aber hinter den Kulissen liefern sich verfeindete Lager seit fast zehn Jahren Straßenschlachten. Als Folge dessen putschte das Militär im Mai 2014. Auch die königliche Familie kämpft mit Imageproblemen. Ende 2014 wanderten engste Verwandte von Srirasmi Suwadee, der Frau von Kronprinz Vajiralongkorn hinter Gitter. Srirasmi verlor daraufhin „alle royalen Privilegien“ – eine Formulierung des Hofes, das Ende der Ehe mitzuteilen. Das Ereignis spielt sich in einem historisch einschneidenden Kapitel der thailändischen Geschichte ab. König Bhumibol Adulyadej, 87, ist schwer krank. Es zeichnet sich eine Thronfolge ab – die erste seit 68 Jahren. So lange herrscht Bhumibol.

„Die Zeit der königlichen Erbfolge ist immer eine Zeit von Intrigen, Instabilität und oft auch gewalttätigen Konflikten gewesen“, sagt der Thailand-Experte Andrew MacGregor Marshall. Die Nachricht von der Festnahme des Onkels von Srirasmi, der einen wichtigen Polizeiposten inne hatte, platzte im November 2014 wie eine Bombe. Geldwäsche, Ölschmuggel, illegale Kasinos und Majestätsbeleidigung – die Anklage ist lang. Darüber zu diskutieren ist tabu, denn der Straftatbestand der Majestätsbeleidigung verbietet Kritik am Königshaus. Immerhin hat König Bhumibol Thailand auf Modernisierungskurs gebracht. Viele Entwicklungsprojekte, etwa zur besseren Bewässerung der Reisfelder, tragen seine Handschrift. Insgesamt ist die Monarchie respektiert.

Konflikt arm gegen reich

Ein weit größeres Problem im Land ist der Kampf zweier politischer Lager – nach der Farbe ihrer T-Shirts Gelb- und Rothemden genannt. Auch darüber lässt das Militärregime kaum Diskussionen zu, Medien werden zensiert und Kritiker verfolgt. Pavin Chachavalpongpun, Professor am Südostasien-Institut der Kyoto Universität in Japan, sieht ein Machtgerangel: auf der einen Seite die traditionellen Eliten, alte, einflussreiche Familien, zahlenmäßig in der Minderheit, vertreten durch die Gelbhemden. Sie nutzen die Monarchie, um ihre Macht zu sichern.

Auf der anderen Seite die Rothemden, überwiegend aus ärmeren Schichten und die Mehrheit im Land, die mit Hilfe des Unternehmers Thaksin Shinawatra ihren politischen Einfluss geltend machen wollten. 2001 gewann dieser die Wahlen, 2005 konnte er sogar eine Alleinregierung bilden. Als er wichtige Posten mit Vertrauten und Verwandten besetzte, bildete sich eine Bürgerbewegung, die ihm Machtmissbrauch vorwarf – die königstreuen Gelbhemden. Vorgezogene Neuwahlen scheiterten, weil sie von Oppositionsparteien boykottiert wurden. Im September 2006 putschte das Militär. Im Juli 2011 gewann Thaksins Schwester Yingluck Shinawatra die Wahlen und bemühte sich um eine Rehabilitierung ihres Bruders. Auch 2014 scheiterte wieder eine vorgezogene Wahl, das Militär putschte neuerlich und regiert seither.

„Es sieht so aus, als baue das Militär an einer Verfassungsstruktur, die die Macht der alten politischen Elite garantieren soll“, sagt Chachavalpongpun. Auf jeden Fall hat die vom Militär eingesetzte Regierung keine Eile mit der Rückkehr zur Demokratie. Gewählt werde frühestens 2016, kündigte sie an.