Brüssel/Berlin –

UN: Deutschland nimmt zu viele Flüchtlinge auf

Brüssel/Berlin. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UN), Antonio Guterres, will Deutschland bei der Verteilung von Flüchtlingen entlasten. Guterres sagte der Berliner Morgenpost, die Verantwortung müsste „auf mehrere Schultern“ verteilt werden. „Es ist langfristig nicht tragbar, dass nur zwei Länder der Europäischen Union – Deutschland und Schweden – mit leistungsfähigen Asylstrukturen die Mehrheit der Flüchtlinge aufnehmen“, erklärte Guterres. Nach den jüngsten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat beantragten in den ersten drei Monaten dieses Jahres 185.000 Asylsuchende Schutz in der EU – ein Plus von 86 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die meisten Anträge pro Million Einwohner fanden in Ungarn (3322), Schweden (1184), Österreich (1141) und Deutschland (905) statt. Nach Angaben von Guterres haben seit Jahresbeginn 240.000 Migranten und Asylsuchende Europas Küsten erreicht. „Die meisten Menschen, die über das Mittelmeer in Booten kommen, flüchten vor Konflikten und Verfolgung. Alle Staaten in Europa haben die moralische Pflicht, sie willkommen zu heißen, und die eindeutige gesetzliche Verpflichtung, sie zu schützen.“

DRK plant Hilfe in Griechenland

Der Flüchtlingskommissar sagte weiter, solange die internationale Gemeinschaft keine politische Lösung für bestehende Krisen finde und es nicht gelinge, neue Konflikte zu verhindern, müsse man sich mit den „dramatischen humanitären Konsequenzen“ beschäftigen. „Im vergangenen Jahr flohen mehr Menschen als jemals zuvor seit Beginn unserer Aufzeichnungen. Mehr als 60 Millionen weltweit haben ihre Heimat verloren infolge von Konflikten und Verfolgung. Wir können Menschen, die flüchten, um ihr Leben zu retten, nicht abschrecken. Sie werden kommen, und wahrscheinlich werden es noch mehr werden.“ Wichtig sei aber, die Ankunft der Flüchtlinge „human“ zu gestalten. „Ich bin beunruhigt, wenn Flüchtlinge als Eindringlinge, Jobsuchende und Terroristen dargestellt werden, um mit öffentlichen Ängsten zu spielen. Dies ist ein Kampf um Werte.“

Unterdessen bereitet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nach Informationen der Berliner Morgenpost eine Hilfsaktion für Flüchtlinge in Griechenland vor. Auf der Insel Lesbos und in der Region Attika sollen ab September Hygieneartikel verteilt werden.

Die Situation der Mittelmeer-Flüchtlinge sei „desolat“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters. Etwa 19.000 Personen sollen Hygieneartikel erhalten, der Inhalt reicht pro Person etwa zwei Monate. Die Pakete sollen unter anderem Zahnbürste, Zahnpasta, zwei Stück Seife und ein Kilogramm Waschmittel enthalten.