Politik

Die Urlaubsansprüche der Kinder

| Lesedauer: 4 Minuten

Wenn Sonne, Sand und Meer, belegte Brote und Pommes nicht mehr genug sind

Mit Kindern in Urlaub zu fahren ist wunderschön. Wir sind an der Ostsee. Dort, wo ich schon als Kind die heißen Sommertage verbracht habe. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, jemals so anstrengend gewesen zu sein wie meine Kinder.

Meine Eltern hatten es mit Sicherheit besser. Meine Schwester und ich brauchten noch keinen voll automatisierten Erdbeerhof mit Marmeladen-Showküche und einer Runde Trecker­fahren auf Schienen für zwei Euro. Und es gab auch nicht alle fünfzig Meter einen Super-Dooper-Kinderspielplatz mit mindestens einem Piratenschiff und der Hansapark hieß noch Hansaland.

Uns reichte der Sand, das Meer, die belegten Brote aus der Kühltasche und als Höhepunkt Pommes oder Eis aus der Strandbude. Hinterher gab es in Scharbeutz im Pavillon noch ein Körbchen Muscheln und Seesterne für Zuhause, die nach ein paar Monaten fürchterlich stanken, aber uns so herrlich an den Sommer erinnerten.

Der Sohn ist anspruchsvoller. Er hat sein sehr türkisblaues Bubblegum-Eis mit voller Absicht und großem Vergnügen auf der frisch gepflasterten Strandpromenade verteilt, ist in einen kleinen Brunnen gefallen – sein Kommentar: „Hosse! Nass! Ja! Ausssiehn? Nein!“ Er hat im nächsten Geschäft einen Stapel Schuhkartons umgeschubst („Tatutt! Oh nein!“), hat bei der Showeinlage des Erdbeerhofmaskottchens, bei der eigentlich alle Kinder ehrfürchtig das Maskottchen umarmen müssen, wie besessen versucht, dessen Reißverschluss zu öffnen, hat zwei Erdbeerlollis geklaut, eine Strandmuschel vom Nachbarn zum Einsturz gebracht („Taatutt“) und die anderen Nachbarn mit einer Wasser-Pumpgun, die er in einem unbeobachteten Moment bei den russischen Urlaubern gefunden hatte, bespritzt.

Ins Wasser wollte er aber lieber nicht. Zu gefährlich. Immerhin werde ich jetzt endlich von allen Seiten gleichmäßig braun, weil ich die ganze Zeit hinter ihm herspringe, anstatt nur blöd in Rücken – oder Bauchlage zu dösen.

Mit der Vierjährigen ist es etwas leichter. Sie braucht vor allem Hunde und andere Kinder, um glücklich zu sein. Von beiden gibt es in diesem Urlaub zum Glück genug. Ich denke, wir werden es bis zum Ende unseres Kurztripps geschafft haben, dass jeder Hund zwischen Timmendorf und Scharbeutz mindestens einmal von ihr durchgestreichelt wurde.

Nur das Frauchen der beiden englischen Bulldoggen wird vermutlich einen Bogen um uns machen. Nachdem die Tochter gedankenverloren minutenlang bei den Hunden auf dem Boden saß, sagte sie sehr fachmännisch zu deren Besitzerin: „Diese armen Hunde. Die können gar nicht atmen.“ Besitzerin: „Meinst du, weil ich gerade ein bisschen an der Leine gezogen habe?“ Tochter: „Nein, weil sie so plattgedrückte Nasen haben. Das ist doch Tierquälerei, oder?“

Meine Tochter! Mit Kindern ist sie noch unkomplizierter. Freundschaften gehen in dem Alter so schnell. Tochter: „Anna ist meine neue Freundin“ – Ich: „Echt? Versteht ihr euch so gut?“ Tochter: „Ja, weil sie auch bald fünf wird.“ Diese Unterkomplexität sollte man eigentlich ins Erwachsenenalter mitnehmen. Würde vieles einfacher machen: „Ich verstehe mich total gut mit meinem Chef. Wir sind voll auf einer Wellenlänge.“ „Echt, warum?“ „Na, weil er doch auch 42 ist.“

Abends bleiben beide Kinder genau lange genug auf, um am nächsten Tag so richtig unleidlich zu sein. Aber wenn wir sie dann endlich so gegen zehn, halb elf, manchmal auch ein bisschen später im Bett haben, dann machen wir es uns gemütlich auf dem Sofa.

Und wenn wir ganz übermütig sind, lesen wir den Prospekt mit den Wellnessangeboten des neuen Luxushotels in erster Strandreihe. Dann verzweifeln wir aber nur kurz, denn der Sohn hat unbemerkt die Heizung im Apartment auf fünf gedreht.

Viel schöner kann Sauna auch nicht sein.

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