Politik

Die Stunde des Clowns

| Lesedauer: 4 Minuten

Mit Donald Trump kommt ein frivoles Element in den Wahlkampf

Selten ist die Eröffnungsdebatte eines republikanischen Präsidentschaftsrennens mit so viel Spannung erwartet worden wie diesmal. Das liegt vor allem an Multimilliardär Donald Trump, der in den Umfragen im zweistelligen Bereich vor dem zweitplatzierten Jeb Bush liegt und von dem niemand weiß, was man von ihm noch alles erwarten muss. Mit jeder neuen Umfrage bekommt Trump weiteren Auftrieb, und sein Abstand wird immer größer. In der TV-Debatte, an der heute nur zehn der 17 Bewerber teilnehmen dürfen, wird sich alles um den Immobilienunternehmer und Medienstar drehen.

Sowohl Politikanalysten als auch das republikanische Parteiestablishment haben große Probleme, sich einen Reim auf dieses Phänomen zu machen. Schließlich hat Trump lange Zeit viel Geld an die Clintons gespendet, wechselt seine politischen Positionen wie seine Hemden – wenn er überhaupt zu substanziellen Themen Stellung bezieht – und nimmt es mit der Wahrheit oft nicht so genau. Was finden die Leute unter diesen Umständen dann an ihm?

Natürlich verfügt „The Donald“ über einige Vorteile gegenüber anderen Kandidaten, die den klassischen Weg über die Niederungen der Politik genommen haben. Fast jeder kennt Trump als Investor und als Reality-TV-Celebrity, er muss sich nicht wie andere bemühen, als Gesicht und Name bekannt zu werden. Er ist ein begnadeter Entertainer in einer Zeit, in der die amerikanische Politik immer mehr einem Showbetrieb ähnelt. Allerdings sind selbst altgediente Veteranen des Betriebs erstaunt, wie schnell es Trump gelungen ist, seine Ablehnungswerte in den Umfragen ins Positive zu wenden. Niemand kann sich erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben.

Das Phänomen Trump ist Ausdruck eines tiefen Unbehagens bei den Amerikanern im Allgemeinen und den Republikanern im Besonderen. Das Land erlebt derzeit einen Aufstand gegen die alten Eliten in Wirtschaft und Politik. Immer mehr Amerikaner glauben, dass sie schlecht regiert werden und dass sich das Land auf einem falschem Kurs befindet. Sie haben das Gefühl, dass sich die Eliten nur gegenseitig Pfründe und Privilegien zuschanzen und dass die Karten zum Nachteil der Mittelschicht „gezinkt“ sind, wie die Linkspopulistin Elizabeth Warren sagt.

Auch viele Republikaner sind enttäuscht von ihrer Führung. Nach dem Sieg bei den Zwischenwahlen im vergangenen November haben sie erwartet, dass die Partei mit ihrer komfortablen Kongressmehrheit vieles von der ungeliebten Politik Barack Obamas zurücknehmen würde. Das war zwar nie eine realistische Erwartung, schließlich gibt die Verfassung dem Präsidenten ein Vetorecht gegen Beschlüsse des Kongresses. Aber Obama hat die Republikaner in den vergangenen Monaten zusätzlich vorgeführt, indem er seine exekutiven Befugnisse bis an den Rand des Zulässigen ausgedehnt hat, um in Sachen Einwanderung oder nun beim Klimaschutz Politik am Parlament vorbeizumachen.

Die Parteigranden setzen darauf, dass die Trump-Sause irgendwann wieder zu Ende gehen wird. Vor genau vier Jahren etwa lag Rick Perry als Kandidat mit über 30 Prozent in den Umfragen vorn, bevor er weit abstürzte. Derzeit hilft der Rabaukenmilliardär vor allem dem moderaten Jeb Bush, weil er Stimmen von anderen rechtspopulistischen Kandidaten abzieht. Allerdings schadet Trumps anhaltender Höhenflug der republikanischen Partei. Denn nun ist ein Wettbewerb unter den Kandidaten entbrannt, so wie Trump mit möglichst krassen Aussagen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Trotz seines derzeitigen Umfragehochs ist es zwar schwer vorstellbar, dass Trump wirklich zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gekürt wird. Aber eine lange von Trump beherrschte Vorwahlperiode ist genau das, was sich die Demokraten wünschen. Das macht es wahrscheinlicher, dass der nächste Präsident wieder aus der demokratischen Partei kommt.

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