Berlin –

SPD-Politiker offen für Urwahl des Kanzlerkandidaten

Berlin.  Mehr als zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl diskutiert die SPD wieder über eine mögliche Urwahl ihres Kanzlerkandidaten. Parteivize Ralf Stegner und der Seeheimer Kreis zeigten sich am Mittwoch offen für einen entsprechenden Vorstoß von Juso-Chefin Johanna Uekermann. „Ein Auskungeln eines Kandidaten wie vor den letzten Wahlen macht die SPD nicht mehr mit“, sagte sie. „Jedes Mitglied soll bei dieser Urwahl mitentscheiden dürfen.“

Stegner kann sich ein solches Verfahren durchaus vorstellen. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel habe selbst immer wieder gesagt, bei mehreren Kandidaten sei eine Entscheidung der Mitglieder gefragt. „Der Vorsitzende muss also von niemandem dazu aufgefordert oder gar gedrängt werden“, sagte der Fraktionschef der SPD im Kieler Landtag. Auch der konservative Parteiflügel schließt eine Urwahl nicht aus: Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, räumte ein: „Bei mehreren ernsthaften Kandidaten kann man eine Mitgliederbefragung durchführen.“

Vor der Bundestagswahl 2013 hatten die Grünen als bislang einzige Partei ihre Spitzenkandidaten per Urabstimmung gekürt. Bei der SPD gab es 1993 zumindest eine Urwahl des Parteivorsitzenden, bei der sich damals Rudolf Scharping durchsetzte. Zur Urwahl eines Kanzlerkandidaten ist es noch nicht gekommen. Dass die SPD für die Bundestagswahl 2017 einen Spitzenkandidaten aufstellt, scheint mittlerweile sicher. Kürzlich hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Notwendigkeit eines eigenen Kanzlerkandidaten in Zweifel gezogen, weil Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) ohnehin kaum zu schlagen sei.