Berlin –

Mit Merkel zur absoluten Mehrheit

Der CSU-Vorsitzende traut der Union dieses Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017 zu – mithilfe der Bundeskanzlerin

Berlin.  Die Union ist laut Emnid nahezu so stark wie alle anderen Parteien zusammen. Die absolute Mehrheit ist daher für die CSU durchaus ein realistisches Ziel bei der Bundestagswahl 2017. „Ich halte das für möglich mit einer Kanzlerin Angela Merkel“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Sonntag im ARD-Sommerinterview. Laut „Spiegel“ hat sich Merkel entschieden und bereitet in der CDU längst ihre Kampagne vor. Im Falle eines Sieges wäre es ihre vierte Amtszeit. Hat sie die Wahl? Kann Merkel aufhören oder muss sie weitermachen? Der Absprung will nicht nur beim Turnen gekonnt sein. Auch Politikern fordert die Übung alles ab. Wenigen glückt sie mit Eleganz, erst recht im Kanzleramt. Gerhard Schröder und Helmut Kohl wurden abgewählt.

Wer antritt, wird umgehend mit der Frage konfrontiert, ob er auch für eine volle Amtszeit kandidiert. Um nicht als lahme Ente zu gelten, kann die Antwort nur Ja lauten. Wer später dann davon wieder abrückt, begeht Wortbruch. Fakt ist: Bis 2017 ist Merkel bei den Wählern im Wort. Ihr Biograf Nikolaus Blome vertrat aber schon 2013 die These, die CDU-Chefin wolle früher aufhören. Blome spekulierte damals auf 2015, der „Stern“ auf 2016. Das „Luxemburger Wort“ wollte 2014 gar wissen, dass Merkel zum 1. Januar 2017 UN-Generalsekretär Ban Ki-moon beerben würde.

In Wahrheit strebt die Kanzlerin eine Wiederwahl an – jedenfalls laut „Spiegel“. Das Magazin hatte berichtet, dass Merkel bereits mit ihrem Generalsekretär Peter Tauber und mit Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler die Wahlkampfkampagne 2017 besprochen habe. Das Konrad-Adenauer-Haus wollte sich am Sonntag dazu nicht äußern: „Nicht jede Meldung im Sommerloch ist es wert, kommentiert zu werden.“

Eine Kampagne hat freilich einen langen Vorlauf. Als CDU-Chefin müsste Merkel immer eine (frühe) Kontrolle anstreben, auch dann, wenn nicht sie, sondern ein anderer Kandidat ins Rennen gehen sollte. Falls Merkel aufhören will, darf sie die Festlegung allerdings nicht zu lange aufschieben. Die Kanzlerin könnte auf dem CDU-Parteitag Mitte Dezember in Karlsruhe oder bei der Vorstandsklausur Anfang Januar in Mainz ein Signal geben. Die Christdemokraten müssten genug Zeit haben, um die Nachfolge zu regeln. Es wäre ein großer Umbruch, denn auch CSU-Chef Seehofer will bis 2018 aufhören. Er hat sich längst öffentlich festgelegt.

Als Merkels potenzielle Nachfolger wurden bisher meist zwei Minister genannt: Thomas de Maizière (Innen) und Ursula von der Leyen (Verteidigung). Von der Leyen hat sich einen Satz ausgedacht, um Fragen nach ihren Ambitionen abzuwehren: „Angela Merkel bleibt Kanzlerin bis mindestens 2017 und es gilt: Jede Generation in Deutschland hat einen Kanzler. Aus meiner Generation ist das Angela Merkel.“

Das Alter ist kein Problem. Merkel ist erst 61 Jahre alt und auch von robuster Natur. Es gibt erst recht keine politischen Hinweise darauf, dass sie amtsmüde wäre. Der Vertrag von Merkels Ehemann Joachim Sauer wurde erst 2014 um ein Jahr verlängert, wobei die Humboldt-Universität schon damals klarstellte, dass sich für weitere zwei Jahre eine Forschungsprofessur anschließe. Es sieht nicht danach aus, als wollte der Physiker so schnell privatisieren. Wenn man alle Faktoren beachtet – Popularität, Rückhalt in der eigenen Partei, Wahlaussichten und nicht zuletzt das private Umfeld –, spricht tatsächlich viel mehr dafür, dass Merkel 2017 weitermacht.