Berlin –

Deutsch-russische Kooperation im Hochschulbereich

Putin drängt die Universitäten Richtung Deutschland

Berlin.  Am Willen scheitert’s nicht. Auch nicht an der Politik. Eher an der Mentalität. „Wir Deutschen haben es meist nicht eilig, planen alles akribisch. Die Russen hingegen drängen uns, sie wollen schnell Ergebnisse, auch wenn nicht gleich alles klappt“, sagt Christian Schaich, der in der Geschäftsstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für den Bereich Mittel- und Osteuropa zuständig ist. Die Russen drängeln aber nicht nur, weil es ihre Wesensart ist. Die russischen Hochschulen haben von ganz oben den Auftrag, die Kontakte zum Westen auszubauen. Gerade zu Deutschland.

Das berichten übereinstimmend all jene, die sich etwa bei der DFG oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) um die Zusammenarbeit bemühen. „Es wirkt paradox. Wir haben dunkle Wolken am politischen Horizont. Aber in der Welt der Hochschulen gibt es eine noch nie da gewesene Nachfrage nach Kontakten nach Deutschland“, sagt Gregor Berghorn, der seit 15 Jahren das DAAD-Büro in Moskau leitet.

Viele An- und Nachfragen

Politisch herrscht Eiszeit. Auf dem Feld der Wissenschaft hingegen Tauwetter. Ja, sogar hektische Betriebsamkeit. „So viel Anfragen und Nachfragen wie im letzten halben Jahr hatte ich in noch nie“, sagt Berghorn.

All dies geschieht nicht ohne Wissen des Kremls. „Es läuft nichts ohne politische Billigung in Russland. Der starke Staat ist auch in der Wissenschaft auf dem Vormarsch“, sagt Schaich. Gleich nach seinem Amtsantritt gab Russlands Präsident Wladimir Putin die entsprechende Direktive aus, weiß Berghorn.

Die verstärkte Annäherung auf der Ebene von Wissenschaft und Hochschulen etwa an Deutschland sei eine Form der Kompensation für den Verlust an politischer Zusammenarbeit. Der Weg der Internationalisierung ist für die russischen Unis durchaus ein weiter. Im Grunde kam es seit Gorbatschow zu keiner Neuausrichtung der Universitäten. Spät hat man erkannt, dass man den Anschluss an die internationale Spitze vollkommen verliert. Russische Experten glänzten auf Kongressen damit, dass sie nicht einmal die Verkehrssprache Englisch beherrschten und Übersetzer bestellen mussten.

Mit Putins dritter Amtszeit begann ein radikaler Umbau der Hochschullandschaft. Die Zahl der Unis soll sinken, in den Regionen wurden Hochschulen auserkoren, die zu Oberzentren, manchmal auch im Sinne von Leuchttürmen, werden sollen. Nicht immer folgte dies den Maßgaben der wissenschaftlichen Exzellenz, manchmal ging es auch darum, Leuten einen Gefallen zu tun. Auch wurde die Trennung von Forschung und Lehre aufgehoben. Damit nähert sich die Struktur der russischen Hochschulen langsam dem deutschen Modell an. Für die Zusammenarbeit ist das förderlich.

Noch werden DFG, DAAD sowie die deutschen Hochschulen in Russland hofiert. Bis es sich die Politik wieder anders überlegt. Das kann in Russland ja erfahrungsgemäß schnell gehen.