Politik

Ausländer, willkommen!

Mehr als 110.000 Berliner benötigen die Unterstützung von Altenpflegern. Im Jahr 2030 werden es 170.000 sein. Wir brauchen also dringend Menschen, die diesen Beruf ergreifen. Doch es ist nicht leicht, Schulabgänger für diese Aufgabe zu begeistern. Die Bezahlung ist schlecht, dafür erwartet einen körperlich und seelisch harte Arbeit, auch am Wochenende. Es müssen also alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, Personal anzuwerben. Ein wesentliches Ziel wurde dabei endlich erreicht. In Berlin ist die Ausbildung zum Altenpfleger vom Schuljahr 2016/2017 an kostenfrei. Das war überfällig.

Für einen weiteren Punkt könnten Pflegeheime und Betreiber ambulanter Pflegedienste selbst sorgen. Viele junge Menschen wollen selbstständig arbeiten, wollen Verantwortung übernehmen, sich auf Augenhöhe in ein Team einbringen. Da ist in der Altenpflege noch viel Luft nach oben. Bleibt die Suche nach Arbeitskräften aus dem Ausland. Sie ist unverzichtbar im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Das gilt inzwischen für viele Bereiche der Wirtschaft, für die Pflege gilt es in besonderem Maße. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass wir ein Einwanderungsgesetz benötigen. Insbesondere in Süd- und Osteuropa leben Menschen, die als Pflegekräfte zumindest grundqualifiziert sind und die gerne in Deutschland arbeiten würden. Diese Menschen brauchen wir, und wir brauchen Behörden, die ihnen einen unkomplizierten und guten Einstieg in unsere Gesellschaft ermöglichen. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse muss ebenfalls verbessert werden.

Und nicht zuletzt trifft das Problem des Fachkräftemangels auch auf die Situation der Flüchtlinge in Deutschland. Viele von ihnen haben einen Beruf erlernt, sind Handwerker, Ingenieure – oder eben Pflegekräfte. Sie möchten arbeiten, wir brauchen sie. Wo also ist das Problem? Es liegt an zu starren Regelungen, wann und unter welchen Umständen sie eine Arbeit aufnehmen dürfen. Und es liegt an Ausländerbehörden, die sich mit der Erteilung von Arbeitserlaubnissen für Asylbewerber schwertun. Die Politiker werden sich nicht der Aufgabe entziehen können, das Problem mit der Pflege einmal als großes Ganzes in den Blick zu nehmen.