London/Calais –

Briten schützen Eurotunnel mit Hunden und Zäunen

London/Calais.  Großbritanniens Regierung will Migranten in Calais mit neuen Zäunen und anderen Sicherheitsmaßnahmen vom Eurotunnel fernhalten. Es würden Spürhunde, Absperrungen und weitere Hilfsmittel auf die französische Seite des Tunnels unter dem Ärmelkanal geschickt, sagte Premierminister David Cameron am Freitag nach einer Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts. „Das bleibt ein schwieriges Thema den ganzen Sommer über.“ Großbritannien wolle mit Frankreich Hand in Hand arbeiten.

In der Nacht zum Freitag hatten erneut Hunderte Migranten versucht, auf Züge und Laster zu klettern, um durch den Eurotunnel illegal nach Großbritannien zu gelangen. In der Nacht auf Freitag seien „mehr als 1000 Versuche“ von Flüchtlingen, zum Tunnel vorzudringen, abgewehrt worden, sagte ein Polizist. Rund 30 Flüchtlinge seien abgeführt worden. Ein anderer Polizist sprach sogar von 1400 Versuchen zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen.

Ein Sprecher der Betreibergesellschaft Eurotunnel konnte keine Flüchtlingszahlen nennen. Es gebe aber „deutlich weniger Störungen“, seitdem die Polizeikräfte vor Ort durch die Entsendung von 120 weiteren Beamten verstärkt worden seien. Zur Wochenmitte waren teilweise bis zu 2300 Fluchtversuche in einer Nacht gezählt worden. „Es gab Verstärkungen, aber der Migrationsdruck bleibt bestehen“, sagte ein Polizist. „Die Situation ist weiterhin schwer in den Griff zu bekommen.“ Es sei aber weniger Flüchtlingen gelungen, bis zu den Bahnsteigen für Güterzüge vor dem Tunnel vorzudringen. „Es sind deswegen weniger Flüchtlinge auf die Züge gestiegen.“

Schon zehn Menschen gestorben

Am Donnerstag hatte Cameron bereits angekündigt, mehr illegal Eingereiste abschieben zu wollen und die Einwanderungsgesetze zu verschärfen. Zudem will die Regierung rund zehn Millionen Euro zusätzlich bereitstellen. Die Hilfe für Frankreich auf der anderen Seite der Grenze sei der Anfang, sagte der britische Premier am Freitag. Ein Team hochrangiger Regierungsmitarbeiter solle sich mit dem Thema befassen. Der Tunnelbetreiber Eurotunnel begrüßte am Freitag die Ankündigung.

Seit Wochen versuchen immer wieder Hunderte Flüchtlinge nachts zum Eurotunnel vorzudringen, um an Bord von Güterzügen nach Großbritannien zu gelangen. Die Fluchtversuche behindern nicht nur den Verkehr durch den Tunnel, sondern sind auch gefährlich. Seit Anfang Juni starben bereits zehn Flüchtlinge auf der französischen Seite des Ärmelkanals bei Unfällen. Zuletzt wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. In Calais befinden sich den Behörden zufolge derzeit rund 3000 Flüchtlinge, die meisten von ihnen aus Eritrea, Äthiopien, Afghanistan und dem Sudan.

Eine britische Speditionsfirma rief am Freitag dazu auf, zwei oder drei Tage lang keine Güter mehr durch den Eurotunnel zu transportieren, um für eine zügige Lösung zu protestieren. Migranten hätten Container aufgebrochen, die Supermärkte dann nicht mehr annähmen, sagte Firmenbesitzer Peter Harding dem BBC Radio 4. Auch deutsche Fahrer fürchten um ihre Sicherheit, weil Menschen versuchen, in die Lkw zu klettern.

Der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ist eine der wichtigen Verkehrsverbindungen zwischen dem europäischen Festland und Großbritannien. Im vergangenen Jahr haben insgesamt mehr als 21 Millionen Menschen den 1994 eröffneten Tunnel zwischen Calais in Frankreich und dem englischen Folkestone genutzt. Der 50,3 Kilometer lange Tunnel besteht aus drei Röhren, die in bis zu 45 Meter Tiefe unter dem Ärmelkanal verlaufen. Durch die äußeren Röhren verläuft je ein Gleis. Dazwischen befindet sich ein Sicherheitstunnel für Rettungsfahrzeuge. Alle 375 Meter gibt es Querverbindungen. Kontrollzentren an jedem Ende überwachen den Tunnel mithilfe von Sensoren, Kameras und Bildschirmen.