Politik

In Deutschland werden die Container knapp

Die Blechquader waren früher vor allem auf Baustellen zu sehen. Durch den Flüchtlingsstrom kommt es zu Lieferengpässen

Berlin – Normalerweise ist Deutschland auf jeden Notfall vorbereitet. Der Flüchtlingsstrom aus dem Süden aber trifft Bund, Länder und Kommunen schlecht vorbereitet. Vielerorts weiß man nicht mehr, wo man die vielen Menschen unterbringen soll. Alte Schulen? Leer stehende Wohnblocks, Häuser? Viel gibt es da nicht mehr. Deshalb wurden in vielen Städten Containersiedlungen gebaut. Doch nun werden die Blechbüchsen knapp. In Deutschland denkt man über den Aufbau von Zeltdörfern nach.

Container? In früheren Jahren war das ein stetiges Geschäft. „Mal ging es hoch, mal ging es runter“, erzählt Peter Bonitz von CHB Bonitz in Berlin. Es hing vor allem an der Baukonjunktur. Die Hersteller in Europa waren nicht übermäßig gefordert. Das Geschäft lief, aber keiner redete wirklich darüber. „Die Preise waren eher fallend.“

Allein 1650 Boxen für Berlin

Das hat sich geändert. Allein die Hauptstadt Berlin gebe zusätzlich mindestens 43 Millionen Euro für den Aufbau von Containern für Flüchtlinge aus. Man rede da nicht über 100 oder gar 500 Container, sagt einer, der sich auskennt. 1650 Container allein für Berlin seien das. Container mit Küchen, Toiletten, Bädern. Und natürlich mit Wohnräumen. Eine Außenwand aus Blech, eine Innenwand aus Blech. Und dazwischen 100 Millimeter Steinwolle zur Wärmedämmung und für den Brandschutz. Und das ist nur Berlin. Die Container würden knapp, sagt Bonitz.

So etwas wie derzeit habe es in Deutschland noch nie gegeben. In vielen Teilen Deutschlands würden Wohncontainer gesucht. Bonitz berichtet, dass es innerhalb Europas nur noch einen Hersteller gebe, der überhaupt in einem überschaubaren Zeitraum liefern könne. Außerdem heben die Zulieferer die Preise an. Fünf bis zehn Prozent mehr. Die Hersteller geben das weiter. Und obwohl sich niemand dazu äußern will, kann man davon ausgehen, dass auch die Montagefirmen wie Bonitz, Zeppelin und Algeco auf die Preise draufschlagen. Er mache das seit 25 Jahren, erzählt Bonitz. „Der Markt ist leer gefegt.“ Die Zahl der Flüchtlinge sei in diesem Jahr nochmals signifikant gestiegen, berichtet Stefan Harder, Geschäftsführer für die Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Slowenien bei Algeco. „Dies führt auch zu einer deutlich steigenden Nachfrage nach Unterkünften für Menschen in Not, denn mobile Gebäude sind innerhalb weniger Wochen bezugsfertig.“

Algeco lässt unter anderem in seinem Werk in Tschechien fertigen und ist daher flexibler als mancher Containeraufsteller ohne eigene Fertigung. Bundesweit beliefert das Unternehmen mit seinen 14 Niederlassungen Großstädte wie Berlin, Bremen und Düsseldorf. Es ist so etwas wie das Geschäft des Lebens für einige. Denn nicht nur die vielen Flüchtlinge aus Syrien, Libyen und dem früheren Jugoslawien brauchen eine Unterkunft. Bei der Firma Zeppelin in München wird noch auf ein ganz anderes Problem hingewiesen. „Kindergärten sind auch ein Grund für die gestiegene Nachfrage“, heißt es. Noch könne Zeppelin die Anfragen bedienen, heißt es in München. Man plane, montiere und baue um. Und ein Hinweis ist den Fachleuten besonders wichtig: „Das sind keine einfachen Blechbüchsen mehr, wie man sie von Baustellen kennt. Diese Container können inzwischen sehr hübsch sein.“

Auch in Berlin erzählt man, dass die Räume für die Flüchtlinge größer seien als bei den Standardwohncontainern. Sondercontainer. 15 Quadratmeter Wohnraumgröße. Toiletten würden umgeplant. Aber, so gibt man zu, Container bleiben Container. Richtige Häuser werden daraus nicht.